Silberstreif

 

Hier ist ein kleiner Ort für meine Phantasie entstanden, die Geschichte ist noch nicht geschrieben, sie entwickelt sich mit der Zeit.

Jane ist ein Gebilde aus vielen Fragmenten, also zerreisst sie nicht denn sie ist auch ein Teil von mir.

Silver

 

 

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                             ~Jane~

 

Ich möchte doch nur verstanden werden, was voraussetzen würde, dass mir jemand zuhört.

Ich möchte doch nur jemanden finden...bei dem alles anders ist.

Mit dem alles anders ist. Alles möglich ist. Bei dem sich mein Verstand verabschiedet und mich zur Abwechslung mal fühlen lässt.

Meine innere Stimme meldet sich zu Wort. Du dramatisierst wieder mal.

Ich hasse meine innere Stimme. Sie redet immer so überlegen und ruhig, als wäre ich zu dumm, um ihr zu folgen.

Klappe. Ich möchte das und du redest mir da nicht rein.

Dann nimm dir doch was du willst. Du bist viel zu nett und vorsichtig. Was hast du denn zu verlieren?

Ja, na klar, wo soll ich denn mal eben den Menschen finden, der das hat, was ich will? Gib mir doch mal einen Tipp, du Schlaukopf. Ansonsten sei einfach still. Ich habe es ja versucht aber du hast ja gesehen, wohin das geführt hat. Wie er mich behandelt hat.

Du bist zu nett.

Ich bin nicht zu nett. Er ist einfach ein Arsch.

Versuch nicht, mir die Schuld einzureden. Du bist genau wie die anderen. Fühlen sich mir ständig überlegen oder tun so, als wäre sie es.

Du jagst ihnen Angst ein.

Ich mache doch gar nichts.

Du gibst ihnen das Gefühl, sie wären deiner nicht würdig. Du bist unnahbar. Und zu nett.

Das passt ja nun gar nicht zusammen, du redest dummes Zeug.

Das ist es ja. Du bist nicht einzuordnen. Das macht ihnen Angst.

Ich kann nicht in Ruhe nachdenken, du störst mich.

Du denkst doch nach, das ist ja das Problem.

Sei still.

Ich bringe meine innere Stimme zum Schweigen und trippele eilig die Stufen zum Bahnsteig hinunter.

Auf halbem Weg bläst mir unangenehme Bahnhofsluft entgegen und wie immer halte ich die Luft an.

Bei dem Gedanken daran, woraus diese Abluft besteht und welchen Weg sie durch die Lüftungsschächte genommen hat, um so zu riechen, ziehe ich es daher vor, die nächsten Meter einfach nicht zu atmen.

Ich lasse die Treppe hinter mir und atme erleichtert weiter.

Der Bahnsteig empfängt mich mit grellorangen Kacheln.

Wahrscheinlich sollen sie fröhlich und munter wirken, mich machen sie aggressiv.

Ich schaue zur digitalen Auskunft hoch und stelle missmutig fest, das die nächste Bahn erst in 10 Minuten fährt.

Mit mir sind noch einige andere Leute hier unten. Die meisten wollen ausgehen, sind aufgebrezelt und angetrunken.

Zwei Typen labern zwei Frauen an, die drehen sich weg und gehen eilig einige Schritte weiter.

Ich suche schnell nach einem Versteck, einem Snackautomaten oder einer Werbetafel, irgend etwas, um mich dahinter zu verkriechen.

Zu spät, die beiden haben mich schon erspäht und torkeln auf mich zu.

Super. Bierbäuchige Herren mittleren Alters, die vermutlich von ihren Frauen einen Abend frei bekommen haben und sich für unwiderstehlich halten.

Ich taufe sie noch schnell Herrmann und Dieter, dann sind sie auch schon da.

"Na Süsse, ganz allein unterwegs?", säuselt Herrmann, der größere der beiden.

Einen Euro für jeden abgelutschten Spruch und ich hätte finanziell ausgesorgt.

Die beiden geben ein erbärmliches Bild ab und ich versuche in mein Grinsen Mitleid, Bedauern und eine Prise Keckheit zu legen und gehe langsam an ihnen vorbei.

Bloß nicht überheblich rüberkommen. Manchmal reicht es auch nur, wenn man solchen Typen nicht jubelnd um den Hals fällt, um als Zicke oder Schlampe tituliert zu werden.

Bei meiner aggressiven Grundstimmung könnte das schnell eskalieren und ich habe keine Lust auf Stress, auch wenn mich diese grellen Kacheln, mein verlogener, seit drei Wochen verhasster und mit allen Flüchen, die mir bekannt sind, belegter Ex sowie meine seit ebenfalls drei Wochen ehemalige Freundin, in eine sehr angrifflustige Stimmung versetzen.

Doch Herrmann und Dieter sind im Gegensatz zu anderen Angetrunkenen relativ entspannt, Dieter rückt seine Lederweste gerade, die aber immer noch schief hängt und sie torkeln weiter.

"Schönen Abend noch", sagt Dieter und schon haben sie die nächste im Visier.

Bedauerlich, meldet sich meine innere Stimme zu Wort, sei froh das du diesen Tunichtgut los bist. Bravo Jane, wie du ihn hochkant aus deiner Wohnung befördert hast. Ich wette, er spürt den Tritt heute noch.

Das war kein Tritt, das war die Fernbedienung, wegen ihm musste ich mir eine neue holen.

Du warst doch dabei.

Stell dir vor, aus ihm wäre auch sowas da geworden. Gruselige Vorstellung.

Meine innere Stimme lacht fies.

Du hattest doch schon nach einer Woche keine Lust mehr. Wie er sich bei dir eingenistet hat. Wo ist die Wanze jetzt? Bei deiner guten Freundin?

Pff, entgegne ich schnippisch, als würde mich interessieren, wo diese Wanze untergekommen ist.

Ich habe genug mit mir selbst zu tun, der neue Job in dem Cafe nervt mich schon nach einer Woche, die Chefin kann mich nicht ab und lässt es mich auch spüren.

Endlich, die Bahn kommt. Ich knipse meine Gedanken kurz aus und quetsche mich zu den Partygängern ins überfüllte Abteil.  

 

~

 

Ich kann mich nicht bewegen und schließe meine Augen.

Da ich mitten in einer Menschentraube stehe und mich nirgends festhalten kann, versuche ich so gut es geht, mein Gleichgewicht zu halten als die Bahn abbremst und wieder anfährt.

Irgendwer hinter mir trägt einen fetten Rucksack, der mir dauernd gegen die Schulter drückt und ich rufe meine ganze Bandbreite an Entspannungstechniken auf, die mir einfallen.

An der nächsten Haltestelle steigen nur zwei Leute aus, dafür quetschen sich vier weitere ins Abteil und ich bekomme Platzangst.

Der Rucksack ist immer noch hinter mir und drückt gegen meinen Rücken.

Kein Platz. Noch eine Station. Ruhig weiter atmen.

Endlich, ich warte ungeduldig bis jemand die Tür öffnet und ströme mit einigen anderen aus dem Abteil.

Die Uhr auf dem Bahnsteig zeigt mir, dass ich mich beeilen muss wenn ich meinen Bus noch bekommen will und renne los.

Der Bus erwartet mich mit geöffneten Türen, ich halte dem Busfahrer meine Fahrkarte hin, doch er beachtet mich nicht.

Ich suche mir einen Platz und kann es kaum erwarten, endlich nach Hause zu kommen.

 

Nach vier Stationen, die der Busfahrer meistens durchfährt, da niemand ein oder aussteigen will, bin ich endlich angekommen.

Obwohl ich hundemüde bin, springe ich noch schnell unter die Dusche, dann falle ich nur noch erschöpft in mein Bett.

 

Jane? Es klingelt. Wach auf, es klingelt an der Tür.

Was ist? Ich öffne meine Augen, es ist hellichter Tag, jemand klingelt tatsächlich.

Ich erwarte keinen Besuch, daher lasse ich mir Zeit, zur Tür zu kommen aber jetzt schellt es schon wieder.

Ich reiße den Hörer der Gegensprechanlage an mich und maule hinein: "Ja?!".

Es sind Stimmen zu hören, irgendwelche Geräusche, dann atmet wer in die Anlage, was ein unangenehmes Geräusch erzeugt. "Jane, mach mal auf, wir sind's!", singt meine Mutter und ich starre ungläubig in den Hörer.

Meine innere Stimme meldet sich. Wart ihr verabredet?

Ach, auch schon wach?, sage ich zu mir selbst und betätige den Türöffner.

Ich werfe einen schnellen Blick in den Spiegel und mich trifft fast der Schlag.

Da ich mit nassen Haaren, die ich nur schnell in ein Handtuch gewickelt hatte, eingeschlafen bin, sind sie jetzt zwar schön trocken, stehen jedoch von der einen Seite vom Kopf ab, während sie mir an der anderen Seite ganz platt an der Schläfe kleben.

Ich lasse die Haustür einen Spalt offen und flitze ins Bad, schlüpfe schnell in irgendwelche Klamotten, bürste meine Haare durch und versuche, sie zu einem Zopf zu binden, was gar nicht so einfach ist, da sie nicht besonders lang sind.

Lass es, du siehst furchtbar aus, feixt meine innere Stimme, deine Mutter wird es bemerken.

Ich entscheide, es trotzdem so zu lassen und gehe zurück zur Tür.

Meine Mutter erklomm gerade laut schnaufend die letzten Stufen und schenkt mir beim Eintreten wie immer einen vorwurfsvollen Blick, als wäre es meine Schuld, dass es in einem vierstöckigen Haus keinen Aufzug gibt.

"Na", begrüsse ich sie.

"Was musst du auch ganz oben wohnen?", grüsst sie zurück und drückt mir Tüten vom Bäcker in die Hand.

Ich schaue kurz etwas irritiert ins Treppenhaus.

"Wo ist denn Papa?", frage ich und nehme meiner Mutter die Jacke ab, die sie mir hinhält, obwohl sie genau vor den Kleiderhaken steht.

"Liest kurz in einer Zeitung. Weisst du eigentlich, dass die da einfach so auf den Briefkästen lag? Eine abonnierte Zeitung? Da kann ja jeder kommen und die einfach mitnehmen!", schimpft sie und ich verkneife mir eine Anmerkung.

Ich folge meiner Mutter ins Wohnzimmer und wie immer schaut sie sich um, obwohl es nichts zu sehen gibt. Die Wohnung ist lächerlich klein und die einzigen Highlights sind die spiegelverkehrte breite L-Form des Wohnzimmers und der kleine Balkon.

Vermutlich war die Nische als Essecke gedacht, ich nutzte sie aber als Schlafplatz, mein schwarzes, gusseisernes Bett passt genau hinein.

Das ich nicht tagein tagaus auf einer Klappcouch nächtigen muss, gab mit den Ausschlag, hier einzuziehen.

Meine Mutter setzt sich auf meine ebenfalls schwarze Couch und fängt an, die Kissen ordentlich in Reih und Glied zu stellen.

"Mama", ermahne ich, doch sie lässt sich nicht beirren.

"Ich mach mal einen Kaffee", teile ich ihr mit und eile schnell in meine Winzküche, von meinem Vater ist noch immer nichts zu sehen.

 

~

 

Man braucht genau einen Schritt um in meiner Küche von der einen zur anderen Seite zu kommen. Aber das sehe ich ganz positiv, so spart man wenigstens Zeit.

Wertvolle Zeit, die man für andere Dinge braucht.

Jetzt wünsche ich mir allerdings, ich bräuchte ewig lang um nicht wieder zu meiner Mutter ins Wohnzimmer zurück gehen zu müssen.

Ich bin daher sehr langsam dabei, den Kaffee aus dem Schrank zu holen und fange leicht an zu schwitzen, als ich feststelle, das ich kaum noch welchen habe.

Wenn mein Vater nicht seine zwei Tassen bekommt, wird er ungemütlich und ich kann mir wieder Vorträge über meine Haushaltsführung anhören.

Daher kratze ich jeden Krümmel Kaffeepulver zusammen und schalte guter Hoffnung die Kaffeemaschine ein, als ich die Klingel der Nebenwohnung vernehme und kurz darauf Stimmen, eine davon ist die meines Vaters.

Überrascht gehe ich zur Tür. Mein Vater kämpft gerade mit einer übergroßen Tageszeitung, die er erfolglos versucht, in die richtige Reihenfolge zu bekommen und zusammen zu falten.

An der Tür der Nachbarwohnung steht ein junger Typ, mein Alter, schätze ich und er hält es ganz offensichtlich nicht für nötig, sich etwas über zu ziehen, bevor er seine Tür öffnet.

Er steht da, nur mit seiner Schlafshorts bekleidet und schaut meinen Vater verwirrt an.

Mein Blick fällt auf seinen nackten Bauch, er trägt zwar kein Sixpack aber mindestens ein Twopack, wenn nicht sogar ein Threepack und ich muss lächeln.

Wann ist er neben mir eingezogen und wer wohnte überhaupt vorher dort?

"...lag da einfach so herum, das geht ja nun nicht, sie sollten sich wirklich mal darum kümmern, junger Mann", erklärt mein Vater und ich werde vom Twopack fort, zurück ins Jetzt befördert.

Der junge Mann fährt sich durch seine struppeligen Haare und scheint erst jetzt zu verstehen, dass es seine zerfledderte Zeitung ist, die mein Vater ihm hinterher trägt.

Ich frage mich, wer heutzutage noch eine Zeitung abonniert, der junge Mann scheint sich das auch gerade zu fragen und erklärt, er habe das Abo geschenkt bekommen und mein Vater könne die Zeitung gern behalten.

Mein Vater hat es mittlerweile geschafft, die tausend Seiten irgendwie zu falten, er vergewissert sich, ob es wirklich in Ordnung geht, dass er die Zeitung behält und nimmt erst jetzt wahr, das ich neben ihm stehe.

"Ah, Jane, was stehst du denn hier im Treppenhaus herum? Ich fand die hier unten liegen und wollte sie seinem Besitzer bringen, nette Nachbarn hast du, nette Nachbarn", sagt er, als handelt es sich bei der Zeitung um einen entlaufenen Hund und geht in meine Wohnung.

Mein netter Nachbar schaut mich belustigt an.

"Entschuldige", sage ich, "er hat wohl heute morgen vergessen, seine Medikamente zu nehmen", und beiße mir gleich darauf auf die Zunge. 

Woher soll mein netter Nachbar wissen, dass ich einen schrägen Humor habe und mein Vater gar keine Medikamente nimmt? Jedenfalls nicht solche.

Doch er lacht und wiegelt ab: "Kein Problem, sehr höflich von ihm, sie mir extra zu bringen".

Ich würde zu gern noch weiter mit ihm quatschen aber meine Eltern werden schnell ungeduldig und so lächle ich nur und nicke ihm zum Gruß zu, er lächelt zurück, dann verschwinde ich wieder in meine Wohnung.

 

~

 

Ich trotte meinem Vater hinterher, der sich gerade an dem kleinen Tisch niederlässt, weil er meine Couch unbequem findet.

"Komm doch hierher, dann können wir alle zusammen sitzen", sagt meine Mutter und rückt ein Stückchen zur Seite.

Mein Vater verzieht sein Gesicht, "Nee, lass mal, der Sitz ist so breit, da krieg ich es im Rücken", erklärt er.

"Du meinst, der Sitz ist zu tief", sage ich und bereue es sofort.

"Die Höhe ist ja in Ordnung aber der Sitz ist zu breit", wiederholt mein Vater.

"Nein, ja, du meinst die Sitztiefe, die ist dir zu tief", erkläre ich und mein Vater glotzt mich verständnislos an.

"Die ist nicht zu tief, die ist genau richtig, von der Höhe her", sagt er und schaut meine Mutter an. Ich gebe auf.

"Nimm dir doch ein Kissen, für deinen Rücken", schlägt meine Mutter vor aber mein Vater lehnt ab.

"Du könntest dir ja auch noch mal einen Stuhl dazu holen, dann könnten wir auch hier am Tisch essen wie zivilisierte Leute", entgegnet er.

"Oder noch zwei, dann könnte deine Schwester auch..", fängt meine Mutter an aber ich schneide ihr das Wort ab.

"Meine Schwester kommt aber nicht, ist ihr zu eng, für sich und ihren Anhang", ich merke, wie mein inneres Ich anfängt, breit und hämisch zu grinsen.

Ich bringe meine innere Stimme zum Schweigen, bevor sie auch nur den Mund aufmachen und etwas abfälliges über meine Schwester sagen kann.

"Übrigens Papa, was sollte das denn eben? Du kannst doch nicht an einem Sonntag einfach beim Nachbarn klingeln, vor allem nicht so früh!".

Mein Vater schaut mich von oben bis unten an dann schaut er kurz nach rechts, zu meinem Bett. "Bist du gerade aufgestanden? Früh? Hast du mal auf die Uhr geschaut? Es ist halb zwei durch", erklärt er mir, "Außerdem hast du zwei verschiedene Socken an", schiebt er staubtrocken hinterher.

Ich kann es nicht verhindern, meine innere Stimme fängt lauthals an zu lachen, richtig hysterisch. Tatsächlich, ich habe eine kurze weiße und eine graue mit schwarzen Punkten und gekräuseltem Rand an.

Man sieht es ganz deutlich, da ich nur eine knielange Pluderhose anhabe.Toll.

Falls mein netter Nachbar das bemerkt haben sollte, denkt er sicher, ich bin diejenige, die Medikamente braucht.

Meine innere Stimme kriegt sich langsam wieder ein.

Ach komm, ist doch nicht so tragisch, das kann doch jedem mal passieren, sagt sie und prustet schon wieder los.

"Was ist jetzt, hast du Kaffee fertig?", fragt mein Vater, ich gehe in die Küche und balanciere drei Kaffeebecher, drei Teller, eine kleine Schale und die Tüten vom Bäcker zurück ins Wohnzimmer.

Meine Eltern nehmen mir die Sachen ab, ich hole noch schnell den Kaffee und lasse mich dann neben meiner Mutter nieder.

"Was macht ihr eigentlich hier, waren wir verabredet?", frage ich beiläufig, nicht, dass sie hinterher noch beleidigt sind.

Mein Vater nippt hastig an seinem Kaffee und meine Mutter schnippt einen nicht vorhandenen Fussel von ihrer Hose.

"Wir hatten hier in der Nähe zu tun, da dachten wir, wir besuchen dich mal, ist doch nicht verboten, oder?", entgegnet mein Vater und nimmt eilig noch einen Schluck.

Ich werde misstrauisch.

Es gibt nichts, was meine Eltern hier zu erledigen hätten, an einem Sonntag.

Hier gibt es einfach nichts zu erledigen.

Etwas weiter die Hauptstraße runter ist ein Supermarkt, hier um die Ecke sind ein paar Arztpraxen. Die Ausläufer eines riesigen Parks befinden sich gleich auf der anderen Straßenseite und dann gibt es noch die Autobahn, die etwas weiter weg entlang führt und natürlich die Auf und Abfahrten.

Halb zwei? frage ich mich. Meine Eltern essen immer, wirklich immer um ein Uhr zu Mittag.

Sie kommen immer erst so gegen zwei oder halb drei irgendwo an, ihre festen Essenszeiten sind ihnen heilig.

Wie können sie denn so schnell hier sein? Mein Vater beißt herzhaft in einen Kopenhagener, meine Mutter gönnt sich eine Streuselschnecke und ich schnalle, dass irgendwas nicht stimmt.

Sie sind nicht zufällig hier, irgendwas ist los.

Und zwar mit ihnen.

 

~

 

"O.k., also, was ist los? Was hattet ihr denn so dringend hier zu erledigen?", frage ich direkt.

Mein Vater wechselt einen schnellen Blick mit meiner Mutter.

"Also, du weißt ja, was immer unser Traum war", fängt mein Vater an aber das weiß ich nicht.

"Nicht? Wir wollten immer ein Wohnmobil und ein bisschen durch Deutschland und Europa fahren und wir haben uns diesen Traum erfüllt und wir dachten, bevor deine Nichte in die Schule kommt, können wir sie mitnehmen. Deine Schwester ist begeistert, sie.." "Was?", falle ich ihm ins Wort, aus meiner Schockstarre erwacht. "Was?!", schreie ich fast.

Natürlich, klar, meine Schwester ist begeistert, sie ist ihr verzogenes Balg für einige Wochen los und kann Luxusurlaub mit ihrem Mann machen. Meine Eltern sind spät noch einmal Eltern geworden und ich habe sehr früh mitbekommen, dass ich völlig ungeplant in das gemütliche Leben meiner Eltern und meiner Schwester geplatzt bin.

Meine Mutter war schon über vierzig, meine Schwester sieben Jahre alt.

Sie behauptet immer, sie habe sich riesig über ein Geschwisterchen gefreut aber meine Eltern haben mir und sämtlichen Verwandten auf jeder Familienfeier, die es seit meiner Geburt gab, etwas anderes erzählt.

Durchgedreht ist sie, sie war nicht dumm, sie wusste, der Tag würde kommen, an dem mein Vater uns aus dem Krankenhaus abholt.

Sie wollte mit und bekniete meine Eltern, mich doch einfach irgendwo abzulegen, mich würde schon jemand finden. Oder sie schlug vor, mich einfach auf dem WC zu 'vergessen', das sei ja ein Krankenhaus, die würden sich schon um mich kümmern.

Natürlich liessen sich meine Eltern nicht bequatschen, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht einen Moment darüber nachgedacht haben.

Meine Schwester war auch nicht erfreut darüber, ihr Zimmer mit mir teilen zu müssen.

Ein paar Wochen, nachdem wir also aus dem Krankenhaus kamen, spielte meine Schwester in ihrem Zimmer. Ich lag auf einer Decke daneben und quengelte und weinte.

Meine Mutter kam nicht sofort um nach mir zu sehen, wunderte sich aber, als es plötzlich ganz still war.

Sie kam ins Zimmer und meine Schwester spielte seelenruhig auf dem Boden, ich lag unter ihrer Bettdecke, komplett darunter und strampelte und gab keinen Mucks mehr von mir.

Meine Schwester behauptete, mich nur zugedeckt zu haben, damit ich einschlafe.

Ich denke ja, dass sie mich töten wollte aber wenn ich sie darauf anspreche und frage, ob sie sich auch immer komplett unter die Decke legt um einzuschlafen oder ob sie ab und an mal Luft holt, lacht sie immer nur und sagt, ich rede Quatsch.

Sie hat immer alles von meinen Eltern bekommen, vielleicht hatten sie unbewusst ein schlechtes Gewissen, ihre Liebe und Aufmerksamkeit nun nicht mehr nur ihr allein geben zu können aber sie hat wirklich immer dafür gesorgt, dass es genau so blieb.

Mit allen möglichen Eskapaden.

Mit 21 hat sie ihren wesentlich älteren Mann kennengelernt, der ihren Hang zur Extravaganz und einen teuren Lebensstil finanzieren konnte.

Kurz darauf startete sie ihr 'Baby-Projekt' und verwöhnte und verzog ihre Tochter bis zum geht-nicht-mehr.

Jetzt ist die Kleine sechs und kommt nach den Sommerferien zur Schule.

Vor knapp zwei Jahren hatte mein Vater einen Herzinfarkt, mit 62.

Hätte auch nicht so glimpflich ablaufen können und es war heftig, ihn da auf der Intensivstation liegen zu sehen, auf dem Brustkorb eine lange, fette Narbe, aufgeschnitten wie eine Weihnachtsgans.

Ich habe keine Ahnung, wie viele Bypässe er hat aber ich fand die Vorstellung nicht so witzig, meinen Vater mit 18 zu verlieren. Trotzdem bin ich kurz nach meiner Ausbildung ausgezogen, ich musste von zuhause weg. Das war vor ein paar Monaten.

Ein weiser Mensch hat mal gesagt, manchmal muss man sich voneinander entfernen, um wieder zueinander zu finden, und das ist wahr.

Ich wollte meinen Eltern nie etwas Böses, dass sie durch die Gegend fahren wollen, wo meine Mutter nicht mal einspringen kann, weil sie keinen Führerschein hat, dann noch mit meiner Nichte, diesem verwöhnten Satansbraten, das halte ich für eine nicht so gute Idee. Mir wäre es lieber, sie checken auf einem Kreuzfahrer ein, mit Schiffsarzt, dann können sie von mir aus um die Welt reisen aber nicht mit einem Wohnmobil, dem Stress auf Autobahnen und sonstwas ausgesetzt.

 

~

 

Meine Eltern und ich sitzen noch eine Weile schweigend herum.

Mein Vater leert schließlich schlürfend seine Kaffeetasse und steht auf.

"Möchtest du es mal sehen?", fragt er und für einen Moment weiß ich nicht, wovon er redet.

"Wie jetzt? Ihr seid damit her gekommen?", frage ich verdutzt.

"Ehrlich gesagt wollen wir gleich starten, wir holen Zoe ab und dann geht's erst mal an die Ostsee", erklärt mein Vater.

"Komm, schau dir unseren Palast doch mal an", sagt meine Mutter enthusiastisch und ich sehe meinen Vater schon völlig überfordert hinterm Steuer einer monströsen Villa auf Rädern sitzen, die er kaum um die Kurve lenken kann.

"Äh, ich ziehe mir schnell was anderes über", antworte ich und verschwinde flugs ins Bad.

'Nein, lass es', sage ich zu mir selbst, als meine innere Stimme sich meldet und schon Schimpftiraden auf meine Schwester parat hält.

Ich knote den Zopf auf, schlüpfe in eine schwarze Röhrenjeans, in die ich fast jeden Tag schlüpfe, ziehe einen weiten grauen Pulli drüber und beeile mich, in meine heißgeliebten Palladium Schuhe zu kommen, denn meine Eltern sind bereits auf dem Weg nach unten.

Ich schnappe mir noch schnell mein Handy und meine Schlüssel, dann folge ich meinen Eltern mies gelaunt nach draußen.

 

~

 

"Wo ist denn jetzt das Teil?", frage ich und schaue mich um.

Vorm Haus in der Straße hätte er durchaus parken können und ich sehe meine Befürchtungen bereits bestätigt.

"Ich habe unten an der Straße geparkt, das war praktischer", erklärt mein Vater und wir machen einen kleinen Spaziergang um mein Haus herum und ein Stück die Straße entlang.

"Da ist es", singt meine Mutter geistreich, es steht nicht zu übersehen auf dem Seitenstreifen. Ich bin ein wenig erleichtert, so riesig ist es gar nicht.

Mein Vater schließt erst die Beifahrertür auf, danach öffnet er die Tür zu ihrem Palast.

"Na, dann komm mal rein", sagt er und ächzt die Stufen hoch und ich folge ihm, dann zwängt sich meine Mutter auch noch hinein und ich bekomme sofort Platzangst, obwohl es gar nicht so furchtbar eng ist.

Jede Menge Schränke aus Eichenholz, eine kleine Kochnische mit zwei Kochplatten, eine winzige Spüle und ein Tisch mit zwei Sitzgelegenheiten,

das ist also ihre Unterkunft für die nächste Zeit.

"Schön, oder? Schau mal hier, wir haben sogar eine Dusche", freut sich meine Mutter und öffnet eine der großen Schranktüren.

Ich staune nicht schlecht, dahinter befindet sich tatsächlich eine Duschkabine in Miniaturformat.

Man kann sich zwar nicht umdrehen, geschweigedenn die Arme heben um sich die Haare zu waschen aber nass wird man auf jeden Fall. 

Solange meine Eltern zufrieden sind, muss ich es wohl auch sein. Mein Vater bemerkt meinen skeptischen Gesichtsausdruck, drückt leicht meinen Arm und versucht, mich zu beschwichtigen.

"Die Strecke ist ja nicht so lang und wir campen dann auch erstmal, mein Arzt hat mir grünes Licht gegeben, es ist alles in Ordnung", erklärt er und ich muss mich wohl geschlagen geben. Wenn sein Arzt schon keine Bedenken hat, sollte ich auch keine haben.

"Die Sitzecke kann man umklappen und dann hat man ein richtig großes, gemütliches Bett", sagt meine Mutter, "Und wir haben eine chemische Toilette und jede Menge Proviant, ach das wird herrlich", singt sie wieder und tänzelt hinaus.

Ich beeile mich, ebenfalls aus diesem Schuhkarton zu kommen.

"Du kannst uns ja mal besuchen wenn du willst, auf dem Campingplatz, wir holen dich irgendwo von der Bahn ab und du bleibst dann über's Wochenende", schlägt meine Mutter vor. Ich sehe mich schon eingezwängt in dieser Sitzecke aus dunkelgrünem Stoff, zwischen ihnen und meiner nervigen Nichte, die entweder herumquengelt weil sie ihren Willen nicht bekommt, bei irgendeinem Spiel verloren hat oder ihr langweilig ist und bekomme Herzrasen, weil meine Eltern mich garantiert mit einem Skat-Marathon quälen werden. 

"Ah, mal sehen, ich muss ja auch arbeiten", murmle ich nur als Antwort, bloß nichts versprechen, nachher werde ich noch darauf festgenagelt.

Meine Mutter erklimmt schließlich den Beifahrersitz und sitzt dort oben wie auf einem Thron.

Sie kurbelt die Scheibe herunter, "Du, gib ihr doch mal Zoe's Nummer", sagt sie zu meinem Vater, der einen Zettel aus seiner Brusttasche befördert.

"Deine Schwester hat ihr ein Handy gekauft, so ein modernes Ding..", "iPhone", wirft meine Mutter ein und scheint irrsinnig stolz darauf zu sein. "Ja, iPhone", wiederholt mein Vater und ich sehe, dass er keine Ahnung hat, wovon er spricht.

"Du kannst uns über ihre Nummer erreichen, ich hab meins zwar auch mit aber du weißt ja, dass ich damit auf Kriegsfuß stehe".

Ja, das weiß ich, obwohl ich nicht verstehe, woher diese totale Unfähigkeit kommt, ein simples Handy zu bedienen.

Ich habe extra darauf geachtet, dass sie kein altes kaufen, sodass ich wenigstens einen Kurznachrichtendienst installieren konnte, um es ihnen einfacher zu machen.

Aber sie tun jedes Mal so, als stehen da Hieroglyphen oder als würde es jeden Moment zuschnappen sobald es einen Ton von sich gibt oder sie es auch nur einschalten sollen.

"Das ist echt enorm, wie die Kleine damit umgehen kann, enorm", sagt mein Vater und gibt mir einen kurzen Schmatzer auf die Wange, bevor er auf dem Fahrersitz Platz nimmt.

Große Gesten der Zuneigung gehören nicht zu den Stärken meiner Eltern und so winkt meine Mutter mir nur wild zu als mein Vater den Schuhkarton startet und langsam auf die Straße lenkt.

 

~

 

Ich schaue ihnen nach, bis sie mit ihrem Wohnmobil aus meinem Blickfeld verschwunden sind.

Na, was war das denn?, meldet sich nun meine innere Stimme wieder.

Das war ja eine richtige Flucht...sie wissen aber schon, das du nächste Woche Geburtstag hast, oder?

Ach ja, mein Geburtstag, den hätte ich fast selber vergessen.

Normalerweise bestehen meine Eltern darauf, ihn zu feiern, ganz egal ob ich will oder nicht.

Und immerhin werde ich zwanzig, runder Geburtstag...und sie hauen einfach ab.

Deine Schwester scheint das auch nicht zu kümmern, hat ihre Tochter nicht eigentlich noch Vorschule? Sie hätte wenigstens noch eine Woche warten können, bis sie eure Eltern davon scheucht...aber nein, es muss ja jetzt sein..scheiß auf deinen Geburtstag, 'Du willst ja sowieso nie feiern', äfft sie die Stimme meiner Schwester nach.

Ich will ja auch nicht feiern, sage ich, klinge aber selbst in meinen Ohren nicht sehr überzeugend.

Sie hätten trotzdem wenigstens fragen können oder?

Ja, hätten sie, sage ich laut.

"Was hätte wer?", fragt eine tiefe Stimme hinter mir und ich fahre erschrocken herum.

Oh Gott, mein netter Nachbar steht vor mir, halb auf sein Fahrrad gelehnt und ich stehe hier, glotze eine leere Straße hinunter und rede mit mir selbst.

Oh, er ist süß, süß, süß, sagt meine innere Stimme und ich versuche verzweifelt, ihr Plappermaul zu stopfen, bevor ich mich verhasple.

"Äh, meine Eltern..sind gerade..in den Urlaub gefahren..", erkläre ich angestrengt.

"Das ist doch schön für sie", entgegnet mein netter Nachbar, der die ganze Zeit ein Dauergrinsen im Gesicht trägt.

"Wie man's nimmt, ich habe nächste Woche Geburtstag", sage ich und meine innere Stimme lacht böse auf, Weil ihn das auch sooo interessiert, Jane!

Doch mein netter Nachbar schürzt die Lippen. "Ach so? Wann denn?"

"Am zwanzigsten", antworte ich knapp.

"Und da sind sie natürlich noch weg", sagt er Sherlock Holmesmäßig,

"Ja", bestätige ich und bekomme Panik, das mir schon nach einer Minute die Gesprächsthemen ausgehen.

Er will doch irgendwo hin, laber ihn nicht zu, er will los, ermahnt mich meine innere Stimme und ich fühle mich schlecht.

"Du, ich will dich nicht aufhalten", sage ich daher und gehe ein Stück zur Seite obwohl das garnicht nötig ist, da der Weg breit genug ist.

Jetzt denkt er, du hast keine Lust mit ihm zu reden...ich werde noch verrückt.

"Tust du nicht", antwortet er und steht immernoch halb auf sein Fahrrad gelehnt da.

"Wo willst du hin?", erkundige ich mich gar nicht neugierig.

"Zum Training, unten an der Hauptstraße ist doch dieses kleine Familienstudio..", erklärt er.

Ich weiß welches Sportstudio er meint, denn da habe ich mich vor einem Monat auch angemeldet und war sogar schon einmal da.

Aber die breiten Anabolikacyborgs in ihren Brustwarzenfreilegenden Croptops und mit ihren doofen Bemerkungen sind mir ein wenig auf die Nerven gegangen.

Zwei, drei sonnenbankgebräunte Tussen standen daneben und bewunderten kichernd die Muskelmänner, wie sie laut schnaufend ihre Gewichte stemmten.

Ein anderer Gast, ein richtig schmaler Hänfling, meinte, mich am Bein betatschen zu müssen, als er mir das Laufband erklären wollte. Als wäre ich nicht fähig um selbst ein paar Einstellungen vorzunehmen.

Nachdem ich ihn knurrend mit einem qualvollen Tode drohte, zog er geknickt von dannen.

Der Besitzer, der zufällig zugegen war, fragte mich, ob alles okay sei oder ob er mal mit den Leuten reden soll aber ich winkte freundlich ab.

Danach habe ich mich aus dem Staub gemacht und bin nicht mehr hingegangen.

Mein netter Nachbar passt so gar nicht dort hin.

"Kennst du das?", fragt er mich und ich nicke nur.

"Du weißt aber schon, dass du in die falsche Richtung fährst?", frage ich ihn und Hoffnung keimt auf, dass er natürlich nur meinetwegen einen kleinen Umweg gemacht hat, um mich anzusprechen.

"Ich..wollte ein Stück durch den Park fahren", sagt er rasch und meine kleine Hoffnung zerspringt in tausend Scherben.

"Ach so, na dann".

"Vielleicht sieht man sich da ja mal", fragt er doch ich winke ab.

"Wohl eher nicht, die Leute da..", fange ich an aber er fällt mir ins Wort, "Ach die", lacht er, "Lass dich von denen nicht stören, wenn du magst, gehen wir zusammen, die sind eigentlich gar nicht so schlimm".

..gehen wir zusammen?, säuselt meine innere Stimme und mein Herz stolpert über sich selbst.

"Ähm, ja, können wir machen", sage ich überrumpelt.

"Gut, dann, wir sehen uns ja, im Haus und so", sagt mein netter Nachbar, schwingt sich behände auf sein Fahrrad und überquert die Straße um dann doch in die entgegengesetzte, richtige  Richtung, davon zu fahren.

Von wegen durch den Park fahren, er hat dich angemacht! Angemacht hat er dich, lacht meine innere Stimme hysterisch.

Ich seufze schwer, wenn es nur so wäre, denke ich, wenn es nur so wäre..

 

~

 

Nachdem ich meinem netten Nachbarn genug schmachtend hinterher geblickt habe, mache ich mich auf den Rückweg.

Plötzlich vibriert es in meiner Jeans und kurz darauf ertönt die Anfangssequenz von Eye of the Tiger.

Ich lasse das Handy noch einen Moment klingeln um der äußerst motivierenden Musik zu lauschen und bekomme Lust, irgendwelche Treppen hinauf zu rennen.

 

Rising up, back on the street
Did my time, took my chances
Went the distance, now I'm back on my feet
Just a man and his will to survive..

 

Als ich sehe, wer mich anruft, höre ich noch einen Moment länger dem illegal heruntergelandenen Song zu, bevor ich widerwillig das Gespräch annehme.

Noch bevor ich etwas sagen kann, meldet sich meine Schwester.

"Janii, Schätzchen!", singt sie und ich frage mich zum wiederholten Mal, woher meine Schwester und meine Mutter diese nervende Angewohnheit haben, fast jeden Satz dahin zu säuseln und zu singen, anstatt einfach ganz normal zu sprechen.

"Hey", sage ich matt.

"Schätzchen, sag mal, sind die Eltern noch bei dir?"

"Sind gerade los"

"Ah, wunderbar, Zoe sitzt hier wie auf Kohlen, sie hat einfach den allergrößten Koffer gepackt, den wir haben", lacht sie.

"Sie kann es wirklich kaum erwarten", fährt sie fort.

"Und was macht ihr dann so ganz allein?", frage ich und als hätte sie nur darauf gewartet, schießt sie schon los.

"Ich fliege mit meiner allerbesten nach Mallorca, ihre Freundin hat da eine Schönheitsfarm, nach dem ganzen Stress endlich mal relaxen. Wir bekommen alles zum halben Preis, sogar die Collagen und Hyaloronspritzen, nur 180, das ist doch nun wirklich geschenkt, oder?", plappert sie und leichte Kopfschmerzen machen sich in meiner Schläfe bemerkbar.

"Collagenspritze?", hake ich nach.

"Gegen Falten, Jane! Für straffe Haut, man kann ja nicht früh genug anfangen!", verteidigt sie sich obwohl ich noch gar nichts gesagt habe.

Ich rechne schnell nach, meine Schwester ist noch fünf Monate 27, von welchen Falten spricht sie nur?

Meine innere Stimme erwacht und mischt munter mit.

Collagen? Hyaloron? Wo will sie sich das denn hinspritzen? Vielleicht sollte sie mal nachfragen ob es Hirnzellen zu spritzen gibt, so als Auffüller.

"Das hast du doch gar nocht nötig", sage ich aber meine Schwester schnauft nur.

"Wenn du meinst, ich habe mir ja wohl wirklich mal Entspannung verdient", verteidigt sie sich schon wieder.

Das Badezimmer neu zu gestalten ist natürlich auch harte Arbeit, sagt meine innere Stimme und ungute Erinnerungen an zwei Monate lang andauernde Geschichten über Farbauswahl, Kacheln, unfähige Arbeiter und vergoldete Armaturen kommen hoch.

Wegen jedem Scheiß rief sie mich an um sich über alles zu beschweren.

"Vielleicht wäre von Anfang an ja alles glatt gelaufen wenn du nicht diese bulgarischen Aushilfsarbeiter zum Dumpingpreis angeheuert hättest nur um ein paar Euro zu sparen", sage ich, auch wenn ich weiß, wie empfindlich sie auf ihren Fauxpas reagiert.

Meine pochenden Kopfschmerzen breiten sich langsam aus.

"Ja, du weißt natürlich Bescheid, übrigens kommt Robert zu dir, er wollte was mit dir besprechen", teilt sie mir kurz angebunden mit.

Robert ist ihr Mann und ein Allround-Talent.

Er ist Gastronom, Koch, Eventmanager und Inhaber des Cafes, wo ich seit kurzem arbeite. Innerhalb kürzester Zeit ist es zum stets rappelvollen Treffpunkt für die unterschiedlichsten Leute geworden.

Er hat mir den Job gegeben und sich extra viel Zeit genommen, mir alles zu zeigen und mir dieses Monstrum von Kaffeevollautomat in aller Ruhe zu erklären, auch wenn ich vorher schon mal als Kellnerin gejobbt habe.

Meine Kollegin, die denkt, sie sei meine Chefin, nur weil sie drei Monate länger dort arbeitet und viel älter ist als ich, witterte Vetternwirtschaft und tat in Roberts Gegenwart super freundlich während sie in Wahrheit einfach unverschämt unfreundlich zu mir ist und mich absichtlich und offensichtlich mit abschätzigen Blicken straft.

Da Vetternwirtschaft was ganz tolles ist, habe ich jeden Sonntag frei. Der zweite Lichtblick ist meine andere Kollegin Carla, eine Brasilianerin mit enormen Rundungen, die immer am meisten Trinkgeld bekommt. Zumindest von den Herren, vor allem, von den älteren, die sich fast jeden Tag zur selben Zeit eine Schwarzwälder Kirschtorte und einen Pharisäer gönnen, nach dessen Genuss sie immer richtig gut drauf sind.

Sie ist immer fröhlich und erzählt am laufenden Band irgendwelche Geschichten, was ich ganz angenehm und spannend finde, da ich dann nichts erzählen muss.

Unsere Möchtegern Chefin fühlt sich sicher etwas im Abseits aber sie ist selber Schuld daran.

Sie ist ungefähr mitte fünfzig und kleidet sich wie eine sechzehnjährige, die erwachsen sein will.

Zum Glück tragen wir bei der Arbeit coole schwarze Blusen und Hosen, mit einer dunkelroten Schürze, sodass wenigstens den Gästen dieser bizarre Anblick erspart bleibt.

"Ach so? Was will er denn mit mir besprechen?", frage ich leicht besorgt. Das ich bei Robert ein Stein im Brett habe, weiß ich schon lange, trotzdem keimt die Sorge auf, ich würde meinen neuen Job gleich wieder los sein.

Ich war 14 als meine Schwester ihn das erste mal unseren Eltern vorstellte und ich gebe zu, dass ich ein wenig verschossen in ihn war.

Es hat ein Jahr gedauert, bis ich auch nur ein einziges Wort mit ihm gewechselt habe und meine Ohren nicht mehr heiß wurden wenn ich ihn gesehen habe.

Er duftete immer so gut und war super nett zu mir.

Jedes Mal brachte er mir irgendwas mit, einen Teddy- für eine 14jährige, eine Gummibärchenpizza, irgendwelche Andenken aus dem Urlaub und einmal, sogar ein Konzertticket.

Wir verstehen und einfach und ich glaube, meiner Schwester passt das manchmal gar nicht.

Er duftet auch heute noch gut aber wir sind einfach Schwager und Schwägerin, die einen guten Draht zueinander haben.

"Das hat er nicht gesagt, du ich muss dann auch wirklich mal", sagt sie gekünstelt beschäftigt, wie immer.

"Du hast mich doch angerufen", entgegne ich ebenfalls wie immer, sie ist so albern.

"Schönen Urlaub", schiebe ich noch schnell hinterher, doch ohne eine Antwort zu geben, beendet sie das Gespräch.

 

~

 

Ich biege gerade in meine Straße ein, als es neben mir hupt.

Es ist Robert in seinem mattschwarzen, fetten BMW, der so leise ist, das man ihn gar nicht kommen hört.

Er winkt mir zu und fährt dann weiter, um sich einen Parkplatz zu suchen.

Ich warte vor meiner Haustür auf ihn.

Robert findet einen fast direkt vor meiner Tür.

Er trabt auf mich zu und richtet schnell seine Krawatte, warum er stets einen Anzug oder zumindest Hemd, Krawatte und die dazu passende Hose trägt, hat sich mir noch nicht erschlossen.

Der sieht ja fertig aus..bemerkt meine innere Stimme..Ärger im Paradies?, fragt sie ganz und gar nicht zynisch.

Er sieht nicht nur fertig aus, er sieht mit seinen Hemden und den dazu passenden, farblich exakt abgestimmten, nervigen Krawatten aus wie ein Vertreter. Entweder für Versicherungen oder für Staubsauger. Ich denke jetzt jedes Mal an meinen Besuch im Elektrogroßmarkt zurück wenn ich meinen Schwager sehe. Man braucht unfassbar viele Dinge für die eigenen vier Wände wenn man auch nur halbwegs menschlich leben möchte.

Also machte ich mich auf, um allerlei Dinge wie einen Toaster, Wasserkocher, eine Küchenwaage, ein Handrührgerät, Stabmixer, eine Kaffeemaschine und eben auch einen Staubsauger zu erwerben.

Ich schaute mich gerade bei den Geräten um, als ein ganz engagierter Mitarbeiter in eben so einer Hemd-Krawattenkombi an mich herantrat, um mir ein Gerät nach dem nächsten anzupreisen. Eigentlich wusste ich bereits, welches Modell ich kaufen würde, da es ein super Preis-Leistungsverhältnis hatte aber ich ließ ihn dennoch gewähren.

Am Ende standen wir vor einem todschicken ergonomisch geformten Hightechgerät mit enormer Saugleistung.

Der Verkäufer schaltete den Sauger ein, um mir auf dem extra dafür bereit liegenden Teppichboden nun auch die Saugkraft zu demonstrieren.

Die war aber in der Tat so stark, dass der arme Verkäufer trotz aufbringen seiner ganzen Kraft, den Sauger keinen Millimeter über den Teppichboden bewegen konnte.

Ich dachte spontan an meinen kleinen Lammfellimitatbettvorleger und wie er innerhalb von Sekunden im Schlund dieser Höllenmaschine verschwinden würde.

Der Teppich wäre verloren. Ich sah mich schon im Hobbykeller meines Vaters mit dem Schneidbrenner das Rohr zerlegen um den Teppich zu befreien.

Das war mir die Saugleistung nicht wert, auch wenn die ganz leicht nachließ, als der Verkäufer etwas die Intensität reduzierte.

Da ich sowieso einen Laminatboden habe, reichte mir der von Anfang an ins Auge gefasste Sauger und ich bedankte mich höflich für diese Vorführung, kaufte den ganzen Krempel und fragte mich hinterher, wie ich das alles nach Hause schleppen sollte.

 

"Tag Jane", sagt mein Schwager und presst mir einen Schmatzer auf die Wange.

Irgendwie ist er wirklich fertig, wirkt matt und niedergeschlagen.

Oh, bitte nicht, fleht meine innere Stimme, bitte lass' es keine Ehekrise sein.

 

~

 

Wir gehen nach oben in meine Wohnung.

"Schuhe aus, richtig?", fragt er vor meiner Tür und ich nicke ergriffen. Er war erst einmal hier, kurz nach meinem Einzug und hat es sich gemerkt, dass ich es nicht mag wenn Leute mit ihren Straßenschuhen meine Wohnung betreten. Meine Eltern vergessen es jedes Mal und sonst muss ich auch immer daran erinnern.

Wir gehen ins Wohnzimmer und ich biete ihm einen Platz auf der Couch an.

"Meine Eltern sind gerade weg, ich konnte noch nicht aufräumen", entschuldige ich mich aber Robert nimmt es gar nicht richtig wahr.

Ich setze mich neben ihn.

Und jetzt?, frage ich mich selbst.

Da ich es nicht weiß, warte ich ab, bis er etwas sagt.

Er lockert seine Krawatte und öffnet zwei Knöpfe seines Hemdes, als müsse er nach Luft schnappen. Dann stützt er sich mit den Ellenbogen auf seine Knie und reibt sein Gesicht.

Er sieht richtig zerknittert aus und wirkt, als wäre er um Jahre gealtert.

"Hast du mit deiner Schwester gesprochen?", fragt Robert schließlich und ich atme erleichtert darüber durch, das er seine Sprache wiedergefunden hat.

"Kurz", antworte ich, ich habe das Gefühl, da kommt noch mehr und bin mir nicht schlüssig, ob ich es überhaupt hören will.

Da er wieder in dumpfes Schweigen verfällt und meine Schwester ja meinte, er wolle etwas mit mir besprechen, beschließe ich, ihm auf die Sprünge zu helfen.

"Sie meinte, du wolltest was mit mir besprechen?".

Er reibt seine müden Augen.

"Ah, ja, ich habe bald eine große Party zu beliefern, mit meinem Partyservice..und ich wollte dich nur fragen, ob du da helfen möchtest, gegen Bezahlung, versteht sich."

Deswegen ist er extra hergekommen?, fragt mich meine innere Stimme, ich bin genauso ratlos.

"Ja, Danke, mache ich gern, sag mir wann und wo und ich bin da."

Mir ist die ganze Situation unangenehm, ich wünschte, er würde endlich mit der Sprache rausrücken.

Er räuspert sich.

"Ich bin für eine Weile von zuhause ausgezogen, vor ein paar Tagen", sagt er schließlich.

Shit. Ich möchte doch nicht, das er was sagt.

"Oh", antworte ich und schiele sehnsüchtig zu meinem Bett hinüber. Ich will mich hineinlegen, verkriechen und nichts davon hören.

"Jetzt wo sie weg will, bin ich wieder eingezogen aber...deine Schwester und ich haben gerade Probleme, sie ist so..sie ist so anstrengend..".

Und das merkt er jetzt erst?, bemerkt meine innere Stimme trocken und ich fange fast an zu lachen.

"Sie gibt nur noch Geld aus, Unmengen, ist total am rotieren und ihre Freundin! Ich weiß nicht, was ich machen soll, wie ich sie zur Vernunft bringen kann. Sie benimmt sich total daneben. Den Urlaub hat sie einfach gebucht, ohne es mir zu sagen, sie stolziert herum als wäre sie Jackie Kennedy! Das mit dem Bad war nur der Anfang, sie will das gesamte Haus neu dekorieren, am liebsten hätte sie aber ein neues, größeres!", schimpft er.

Mir ist unwohl. Ich hege zwar eine leidenschaftliche Abneigung gegen meine Schwester aber ich möchte nicht, das jemand anderes schlecht über sie redet.

Auch Robert nicht. Alles was er sagt ist nichts neues. So hat er sie kennen gelernt.

Da ist noch mehr, womöglich.. aber ich will das nicht wissen. Nicht von ihm.

Wenn mir das jemand erzählen sollte, dann meine Schwester. 

Das müsste er eigentlich wissen.

Ich versuche mir hilflos irgendwelche Worte zurecht zu legen.

"Naja, du weißt doch wie sie ist..", sage ich zaghaft.

"Lass sie erstmal Urlaub machen, der Abstand tut euch vielleicht ganz gut und wenn sie wieder da ist, redet ihr drüber..oder wenn du willst..", bitte nicht!, flehe ich mich selbst an und mein Magen verkrampft sich, doch ich spreche es aus, "Wenn du willst, rede ich mit ihr".

Toll, Jane! Das wird die Hölle!, sage ich zu mir selbst.

Ich weiß, denke ich aber irgendwas muss ich ja sagen und ich will, das er geht.

Irgendwie scheint ihm das zu reichen. Er wirkt entspannter. Das war ja einfach.

"Was machst du eigentlich an deinem Geburtstag?", fragt Robert plötzlich.

Ach Gott, er denkt als einziger aus deiner Familie an deinen Geburtstag, traurig, spottet meine innere Stimme. 

Ich denke an meinen betrügerischen Ex und meine einzige gute Freundin, die es nun nicht mehr ist.

Sehr viel Auswahl habe ich nicht gerade.

Der einzige, der noch übrig wäre, ist Ivo, mein bester Freund. Die untreue Tomate reist seit einer Ewigkeit durch Neuseeland und meldete sich nur einmal kurz, um mir mitzuteilen, dass er und sein Freund einen 'kleinen Abstecher' nach Australien machen wollen.

Eigentlich wollte er schon wieder zurück sein aber wo der gerade steckt, weiß ich nicht.

"Keine Ahnung", antworte ich daher wahrheitsgemäß.

"Bestimmt schmeißt du eine richtig fette Party, man wird ja nur einmal zwanzig".

Genau, und einundzwanzig und zweiundzwanzig, also was soll's...meine innere Stimme hat Recht.

Wenn Robert wüsste, dass ich wahrscheinlich gar nicht feiern werde, würde er am Ende noch etwas organisieren, darauf habe ich keine Lust.

Dann sitze ich lieber allein hier herum.

"Ja, wird wohl eine Party", sage ich daher, um das Thema abzuschließen.

"Na gut Jane, ich sag dir noch Bescheid wegen dem Catering und Danke.."

Robert steht endlich auf und ich begleite ihn zur Tür.

Er geht ins Treppenhaus und versucht umständlich seine Schuhe anzuziehen, seine Krawatte hängt auf halb sieben über seinem geöffneten Hemd. In dem Moment kommt mein netter Nachbar die Treppe hinauf gejoggt.

Lange war er ja nicht beim Training, denke ich und als er Robert sieht, schaut er sehr überrascht drein.

Oh was? Er denkt doch nicht etwa...selbst meine innere Stimme wird rot. Ich muss irgendwie die Situation aufklären.

"Hey, schon fertig mit Training?", frage ich obwohl er ganz offensichtlich damit fertig ist.

Mein netter Nachbar nickt leicht und beäugt Robert misstrauisch. Süß.

"Mein Schwager Robert, Robert, mein Nachbar", sage ich, und betone absichtlich 'Schwager'. Das habe ich schon in tausend Filmen gesehen und wollte unbedingt auch mal Leute einander vorstellen.

Und erst recht um dieses Missverständnis aufzuklären.

Das Gesicht meines Nachbarn erhellt sich sichtlich.

"Ah, hallo", sagt er zu Robert, der immer noch in gebückter Haltung dasteht und versucht, in seine Schuhe zu schlüpfen. Mein netter Nachbar wirft mir einen kurzen, etwas peinlich berührten Blick zu.

Robert sagt auch kurz Hallo, richtet seine Krawatte und sein Hemd und verabschiedet sich dann.

Mein Nachbar und ich stehen vor unseren Türen und schauen uns an.

Jane.., flüstert meine innere Stimme, als würde er sie sonst hören.

Sag was..irgendwas...

 

~

 

Ich suche nach Worten, wollte ich nicht etwas fragen? Meine innere Stimme hält zur Abwechslung mal die Klappe, projiziert aber dafür gnadenlos Bilder in meinen Kopf.

Mein Nachbar steht da herum und ist etwas verschwitzt, seine Sweatjacke ist geöffnet und darunter klebt sein T-Shirt ganz leicht an seinem Körper und ich stelle mir vor, wie ich es ihm vom Leib reiße und unanständige Dinge auf seinem Bauch veranstalte.

Ich merke wie meine Ohren heiß werden und kann nur sehr mühsam ein Lachen unterdrücken.

Ein bisschen was fällt trotzdem aus meinem Mund und ich räuspere mich ziemlich laut.

„Alles klar?“, fragt mein Nachbar und mir fällt ein, dass ich gar nicht weiß, wie er heißt.

„Mhm, Danke, hab mich nur verschluckt“, lüge ich und versuche Bilder zu verdrängen, wie ich ihm in den Nacken beiße.

Aber wirklich, alles klar Jane?, denke ich und rufe mich zur Ordnung.

„Sag mal, wie heißt du eigentlich?“, frage ich hastig bevor meine Gedanken völlig eskalieren.

„Erik“.

„Jane“, stelle ich mich selbst vor.

„Ich weiß, habe ich schon gehört“, antwortet er und lehnt sich jetzt lässig gegen seine Tür.

Er hat wohl keine Eile unter die Dusche zu kommen...bemerkt meine innere Stimme und ich versuche, ihn auch weiterhin davon abzuhalten.

„Wohnst du schon lange hier?“, frage ich und Erik schaut irritiert. Diesen Gesichtsausdruck kenne ich, so gucken Leute meistens wenn ich etwas merkwürdiges sage.

Aber er fängt nur an zu lächeln und fährt sich durch seine verschwitzten Haare.

Ich versuche mich zu konzentrieren.

„Schon seit einem halben Jahr, ungefähr.“

Ich bin ziemlich überrascht, er wohnte schon vor mir hier?

Ich wohne hier seit ein paar Monaten und habe ihn nie bemerkt?

Das kann nicht sein.

Erik bemerkt meinen geplätteten Ausdruck und jetzt lacht er und räuspert sich gleichzeitig.

„Du hattest ja ordentlich.. Trouble mit deinem..Freund?“, fragt er und mir ist es sehr peinlich, dass er wohl mitbekommen hat, was hier abging.

„Kann man so sagen“

„Ich dachte schon ich muss rüberkommen und eingreifen“, sagt er und mir wird ganz warm.

Ein Held, schwärmt meine innere Stimme, schade das er es nicht getan hat.

„Und..wart ihr denn lange zusammen?“, fragt Erik und mir wird ganz anders. Wenn ich ihm das erzähle, hält er mich sicher für komplett verrückt.

„Äh, eigentlich nicht..wir kannten uns zwar eine Weile aber am Ende war es nur ein Monat“, erkläre ich umständlich.

Erik schaut irritiert, „Wie, ein Monat? Was ist denn passiert?“.

Ich bin mir nicht sicher ob ich einfach alles erzählen soll, wir haben uns ja gerade erst kennen gelernt...aber wenn er mich dann beknackt findet, kann ich es nicht ändern, entweder er findet mich jetzt beknackt oder später, irgendwann würde ich schon dazu kommen, die Sache mit meinem Ex zu erzählen. Und da ich, außer kurz mit Ivo, mit niemandem darüber gesprochen habe, platzt es fast von allein aus mir heraus.

Ich seufze und lehne mich nun auch gegen meine Tür.

„Also, wir kannten uns schon eine Weile flüchtig, ich hatte ihn über drei Ecken kennen gelernt und wir haben uns dann ungefähr einen Monat regelmäßig getroffen, er war echt charmant und ehrlich gesagt, tat mir seine Aufmerksamkeit gut.

Wir haben uns ganz gut verstanden auch wenn ich zugeben muss, dass ich einfach nur froh war, mal nicht allein zu sein.

Dann kam er irgendwann an und meinte, er bräuchte eine Schlafgelegenheit, nur für ein, zwei Nächte aber ist dann einfach nicht mehr gegangen.“

Ich dachte daran zurück, wie ich ihn gleich auf die Couch verbannt habe, ich mochte seine ständige Nähe nicht und da war mir eigentlich klar, das es nichts ist. Wäre es mehr für mich gewesen, hätte ich auch auf einer Briefmarke Platz gefunden aber trotzdem tat mir seine Gesellschaft gut.

Aber nach drei Tagen hatte ich schon das Gefühl, mir würde Geld fehlen, am vierten Tag war ich mir sicher und dann überraschte ich ihn dabei, wie er in meinen Sachen schnüffelte und am sechsten Tag kamen mir Gerüchte zu Ohren, sowas hätte er schon ein paar mal abgezogen.

In der Zwischenzeit bekam ich mit, dass er sich heimlich mit meiner einzigen, guten Freundin traf, was mich auch nicht überraschte, da sie von Anfang an völlig ungeniert von ihm schwärmte und ihn jedes Mal total zufällig anfasste und seine Nähe suchte.

Wäre er mir wichtig, hätte ich ihr vielleicht verbal eine verpasst aber viel schlimmer war, das es ihr nichts ausmachte. Es kümmerte sich nicht im geringsten. Sie wusste ja nicht, das ich eigentlich gar nicht in ihn verliebt war, ich hatte ihr jedenfalls nichts erzählt. Sie musste davon ausgehen, das es irgendwie ernst war, außer, er hat ihr etwas anderes erzählt, wovon ich ausgehe.

Als ich an dem Abend nach Hause kam, fand ich ihn mit meinen Kontoauszügen und meinem fast vergessenen Sparbuch vor und ich bat ihn ganz sachlich, seine Sachen zu packen und Leine zu ziehen.

Als er dann allen ernstes frech wurde und meinte, unter der Gürtellinie austeilen zu müssen, reichte es mir.

Ein Wort gab das andere, ich kramte seine Habseligkeiten zusammen und beförderte sie ins Treppenhaus, die Tasche warf ich hinterher.

Er beschimpfte mich mit Nettigkeiten wie 'kaltherziges Miststück' und wollte ernsthaft auf mich losgehen. Ich glaube, er war es nicht gewohnt rausgeworfen zu werden und mit seinem kläglichen, lauwarmen Erklärungs-Gelaber auf taube Ohren zu stoßen. Dann bekam er meine Fernbedienung an den Kopf.

Ich wusste nicht, das ich so gut zielen kann und war richtig stolz auf mich.

Dann meinte er noch erwähnen zu müssen, wie scharf doch meine Freundin sei, dem konnte ich nur zustimmen und schlug vor, er könne sie ja in Zukunft ausnehmen und bestimmt dürfe er auch in ihrem Bett pennen und nicht auf der Couch wie ein räudiger Hund und schubste ihn aus meiner Wohnung.

Ich war noch nie so froh, allein zu sein.

Er randalierte noch ein paar Minuten, stieß weitere Nettigkeiten aus und verschwand dann endgültig. Einen Tag später bekam ich eine Nachricht von meiner Freundin, das er nun bei ihr war und was mir eigentlich einfallen würde, ihn so zu behandeln. Ich habe keinen Schimmer, was er ihr aufgetischt hat und es war mir auch egal, sie hätte wenigstens mal bei mir nachfragen können, was eigentlich passiert ist. 

 

Das lud ich nun mehr oder weniger detailliert bei Erik ab und fühlte mich etwas erleichtert aber auch schlecht weil ich den armen Kerl gleich mit so etwas belästige.

Aber er wollte es ja wissen.

Doch er scheint gar nicht so belastet zu sein.

Er zieht die Augenbrauen hoch und scheint leicht fassungslos.

„Das ist ja ziemlich heftig, was für ein Arsch..jetzt bereue ich es ein bisschen, dass ich ihn nicht doch eigenhändig aus dem Haus geworfen habe..“.

Ach...Erik..., seufze ich innerlich.

 

~

 

"Naja, ist ja ganz glimpflich abgelaufen", sage ich.

"Und jetzt bist du..traurig oder eher froh?", erkundigt Erik sich.

Ich brauche nicht lange zu überlegen.

"Ich bin traurig wegen meiner Freundin. Das sie sich, ohne auch nur einmal mit mir zu reden, auf seine Seite stellt und vor allem, mit ihm zusammen ist, einfach so..das macht mich fertig..und das ich so dumm war. Das ich es so weit kommen ließ obwohl ich es eigentlich besser wusste. Ich mochte ihn ja, nur, aber, ach..", ich fühle mich plötzlich schlecht.

Am meisten knabbere ich an meiner eigenen Dummheit und am Verlust meiner einzigen, wirklichen Freundin, zumindest dachte ich, dass sie es wäre.

Jane...fängt meine innere Stimme an aber ich will sie nicht hören.

Erik schaut nur nachdenklich an mir vorbei und nickt leicht, er muss mich für so unendlich blöd halten und ich sehne mich in mein Bett und will ihn nicht länger behelligen.

"Also, ich muss dann auch mal", entschuldige ich mich und drehe mich weg, obwohl ich eigentlich garnichts müsste.

Ich krame meinen Schlüssel aus meiner Hosentasche.

"Das Angebot steht noch", sagt Erik plötzlich.

Ich schaue ihn fragend an.

"Fitnessstudio?", erinnert er mich.

Ernsthaft? Er will immernoch mit mir dahin?

"Ach so, ja, mal sehen, Mittwoch vielleicht?", sage ich obwohl ich keine Ahnung habe, was Mittwoch sein wird, ich fühle mich gerade einfach schwach und will weg.

Erik lächelt, "Mittwoch wäre ok, wann hast du denn Zeit?".

"So gegen halb sieben", antworte ich, wenn ich direkt nach Hause komme und nicht noch in die Stadt fahre wie gestern, bin ich in einer halben Stunde zuhause.

Vielleicht sollte ich einfach mit dem Fahrrad fahren, anstatt mit dem Bus, würde noch schneller gehen.

"Ich klingel einfach bei dir", schlägt er vor und ich nicke nur und öffne meine Haustür.

"Ok, danke für's zuhören", murmle ich und verschwinde eilig in meine Wohnung.

Von innen schließe ich ab und höre wie Erik in seine Wohnung geht.

Glanzleistung, sage ich zu mir.

Ich räume die Teller und Tassen weg, wasche ab, schlüpfe wieder in meine Zuhause-Gammel-Klamotten und lege mich für den Rest des Tages erschöpft ins Bett.

Was für ein seltsamer Sonntag.

 

~

 

Der Montag und Dienstag verläuft wie immer, ich stehe morgens auf und mache mich fertig, am Montag extra eher weil ich nachsehe, ob ich überhaupt noch genug Luft auf den Reifen habe.

Da ich finde, dass es ausreicht, schwinge ich mich tatsächlich auf's Rad und geniesse die Morgenluft.

Viel besser als im stickigen Bus.

Im Cafe nervt mich meine Möchtegernchefin, scheucht mich herum, schaut mich abschätzig an und verbreitet schlechte Laune.

Carla ist wie immer gut drauf und lacht und erzählt mir Geschichten von ihrer Familie in Brasilien, von einer Tante, die in den Favelas wohnt und sie läd mich spontan zum Essen ein.

'Irgendwann mal aber bald', sagt sie lachend und drückt mich leicht, sie will mir Feijoada machen. Ich bin mir sicher, das habe ich schon mal gehört, irgendwas mit viel Fleisch und mir wird etwas mulmig, traue mich aber nicht, ihre Euphorie zu trüben, indem ich sage, das mir beim Gedanken daran schlecht wird.

Ich nehme mir vor, das schnell nach zu holen aber nicht jetzt.

Es gibt bestimmt noch andere Spezialitäten, die sie zaubern kann.

Die Alte-Herren-Truppe kommt auch wie immer und Carla flirtet nett mit ihnen und ich überlasse ihr gerne diesen Tisch.

Die beiden Tage vergehen schnell und jetzt, wo ich weiß, das Erik direkt nebenan wohnt, wundere ich mich, das wir uns tatsächlich nicht einmal begegnet sind.

Auch an den zwei Tagen nicht.

 

Der Mittwoch gleicht dem Montag und Dienstag und gegen Mittag wird es voll.

Im Cafe gibt es neben verschiedenen Kuchen auch einen Mittagstisch, Sandwiches, Salate und vegane Kleinigkeiten.

Draußen ist es schön warm und die Plätze draußen sind alle besetzt.

Ich mache mich auf, um einen Tisch zu bedienen, als mir fast der Kugelschreiber aus der Hand fällt.

 

~

 

Vor mir sitzen meine beiden ehemaligen Freunde.

Mein Ex sitzt in Angeber-Pose breitbeinig am Tisch, meine ehemals beste Freundin direkt neben ihm.

Sie schaut mich nicht an sondern röntgt mit ihrem Blick den Zuckerstreuer, der vor ihr auf dem Tisch steht.

Ich bin für einen Moment sprachlos. Was soll der Quatsch? Haben sie das echt nötig?

Oh, so ein verlogenes Paar..ätzt meine innere Stimme.

Möchtest du ihm nicht mit dem Kugelschreiber ein bisschen seine Visage verzieren?

Mir fallen da einige passende Motive ein..

Keine schlechte Idee eigentlich, doch ich beschliesse, ganz professionell zu bleiben.

"Wurde auch mal Zeit, man wartet hier ja ewig", motzt mein Ex obwohl sie gerade ein paar Minuten da sitzen.

"Kann ich euch schon was bringen?", frage ich ganz höflich.

Mein Ex ergreift demonstrativ die Hand meiner ehemligen Freundin.

"Ich nehme einen Espresso..du Schatz ?". Oh man, wie lächerlich, denke ich und warte darauf, das sie etwas sagt.

Ich weiß, was sie mag aber ihr neuer Freund bestellt einen Milchkaffee.

Mir soll es egal sein.

Ich gehe hinein und versuche meinen Ärger hinunter zu schlucken.

Igitt, ein Espresso..mach den richtig stark, vielleicht bekommt er ja Herzrasen, würde ihm mal gut tun, schlägt meine innere Stimme vor und ich ziehe es in Erwägung.

"Was hast du denn?", fragt mich meine Möchtegern-Chefin als ich hinter die Theke trete und mich am Kaffeevollautomaten zu schaffen mache. Ich schaue sie verwundert an.

Ihr fällt auf, das etwas los ist?

"Hast du Fieber oder wie? Du hast richtig rote Wangen", stellt sie fest und greift nach meinem Gesicht.

Sie fühlt tatsächlich meine Stirn als wäre ich fünf Jahre alt.

Wow, das ist die erste nette Geste die sie zustande bringt.

"Äh, ne, mir geht es gut", beruhige ich sie.

"Fühlst dich auch nicht heiß an", bestätigt sie mich und beäugt mich trotzdem misstrauisch.

Ich fange an, sie heute mal zu mögen auch wenn ich heute morgen dachte, Cyndi Lauper steht vor mir.

Beinahe hätte ich gefragt, ob sie eventuell die Folie nach dem Färben im Haar vergessen hat aber das soll wohl so sein.

Ihre bizarren orangen Haare sind der Knaller und ein bisschen tut sie mir leid.

In Kombination mit der roten Schürze und unseren schwarzen Arbeitsklamotten, sieht das noch unvorteilhafter aus.

Cyndi Lauper.. wie heißt noch dieses eine Lied?

Sie weiß es bestimmt, sie ist heute die Reinkarnation dieser Person.

Ich versuche ein Lächeln und frage vorsichtig, ob sie eigentlich Cyndi Lauper kennt.

Ihr bleibt der Mund offen stehen.

"Du hast das erkannt?" fragt sie total überrascht und deutet begeistert auf ihre Frisur. Als hätte ich nicht sämtliche 80er Hits im Internet gesehen.

"Wie heißt dieses eine Lied?, frage ich und beschliesse, den Espresso noch ein wenig heißer werden zu lassen.

"Sie hat viele.. meinst du Girls just wanna have fun..?", lacht sie, offenbar habe ich ein Thema gefunden, bei dem sie aufblüht.

"Das hören wir nachher mal, ja?", schlage ich vor und befördere den dampfenden Espresso in die Tasse.

Dann trage ich die beiden Tassen hinaus.

Mein Ex zieht ein blödes Gesicht, besonders anstrengen muss er sich ja nicht.

Ich serviere ihnen ihre Bestellung und gehe einfach weg, sollen sie doch machen was sie wollen.

Heute ist Training mit Erik und ich bin schon nervös genug.

"Ähm, Moment mal!", ruft mein Ex mir plötzlich hinterher. Ich gehe zurück zum Tisch.

So langsam reicht es.

"Der ist ja total kalt", beschwert er sich. Man sieht den Espresso deutlich dampfen.

Bleib ruhig, Jane, ermahnt mich meine innere Stimme.

Ich wiederstehe dem Impuls, ihm die Tasse einfach über den Kopf zu ziehen.

"Ist gut jetzt", murmelt meine ehemalige Freundin.

Mein Ex guckt sie verdutzt an.

"Ist gut jetzt", wiederholt sie biestig in seine Richtung, greift nach ihrer Tasche und steht einfach auf.

Ohne mich anzusehen oder irgend etwas zu sagen, sucht sie das Weite.

"Das macht dann fünf Euro", sage ich zu meinem Ex.

Er kramt perplex Kleingeld aus seiner Tasche und verlässt ebenfalls eilig den Tisch.

 

~

 

Den restlichen Tag ist nicht so viel los, die Leute haben heute bei dem schönen Wetter wohl besseres zu tun als im Cafe zu sitzen. Wir räumen etwas eher die Stühle zusammen und unsere Möchtegern-Chefin macht den Laden einfach zwanzig Minuten eher dicht.

Sie holt ihr Handy und wir hören beim Aufräumen Cyndi Lauper, sie geht richtig ab und singt in den Besenstiel, Carla in den Tortenheber und ich benutze den Milchaufschäumer als Mikrofon.

Carla und ich singen fast jede Zeile falsch aber der Refrain sitzt.

Unsere Möchtegern-Chefin lässt sich nicht beirren, sie schmettert textsicher den Song herunter.

Dann kommt Time after Time und Carla und ich müssen passen aber sie liefert eine hinreissende Vorstellung ab, singt jedes Wort mit, tanzt mit dem Besen zärtlich durch den Raum und Carla und ich singen einfach immer nur Time after Time mit und sind ganz ergriffen.

 

~

 

Auf dem Nach-Hause-Weg strample ich mich auf meinem Fahrrad ab und komme nicht nur deswegen ziemlich ins Schwitzen.

Ich habe Bauchweh und bin nervös.

Zuhause springe ich unter die Dusche und möchte mich am liebsten darin verstecken.

Ich seife mich so oft ein, bis der Schaum fast den Abfluss verstopft und sehe ein, das ich nicht ewig in der Dusche bleiben kann.

Haare fönen und Sportklamotten anziehen geht zu schnell. Es ist erst zehn nach sechs.

Wieso ist es erst zehn nach sechs?

Ich tigere in der Wohnung herum und überlege, die Spüle zu schrubben. Aber sie glänzt vor sich hin und ich gehe zurück ins Wohnzimmer.

Vielleicht sollte ich absagen.

Ich fühle mich ganz krank, mein Bauch tut weh.

Aber dafür müsste ich ja rüber gehen und klingeln.

Zwölf nach sechs.

Ich stehe wieder auf und schaue aus dem Fenster.

Vielleicht bräuchten die Blumen auf dem Balkon mal Wasser.

Ich trotte in meine Küche und fülle eine leere wasserflasche auf, gehe zurück und bewässere die paar Blümchen.

Siebzehn nach sechs, nicht mal.

Was ist denn los heute?

Soll ich rübergehen und klingeln oder soll ich warten bis er klingelt?

Bestimmt hat er unsere Verabredung sowieso vergessen und ich mache mich hier verrückt.

Ja, er hat es sicher vergessen.

Ist ja schon drei Tage her, in drei Tagen kann viel passieren.

Ich habe ihn ja auch nicht mehr gesehen, wahrscheinlich hat er ganz vergessen, das er am Montag für zwei Monate zu einer Arktisexpedition aufbrechen wollte.

Und er hatte es am Sonntag garnicht mehr im Kopf.

Kann ja sein. Ja, so wird es sein.

Ich schließe die Balkontür und lege meine Bettdecke ordentlich zusammen.

Wie sinnlos, wenn ich schlafen gehe, zerwühle ich sie sowieso wieder. Ich schüttele sie wieder auf und lasse sie einfach so liegen.

Ich gehe auf den Flur zur Haustür und spähe durch den Spion. Im Treppenhaus ist niemand.

Bin ich eigentlich bescheuert?

Ich gehe ins Bad und creme mir die Hände ein.

Ich packe mir noch ein Handtuch und ein Deo ein. Ich dusche grundsätzlich nicht irgendwo anders aber das Handtuch muss sein, möchte beim Training nicht so gern in Kontakt mit der Schwitze von anderen geraten.

Meine innere Stimme ist ganz still, wie spät ist es eigentlich?

Nicht mal fünf vor halb.

Das plötzliche Geräusch meiner Klingel fährt mir unter die Haut und ich diagnostiziere spontan eine leichte Herzattacke.

Doch nicht auf Arktisexpedition.

Ich gehe die paar Schritte gaaanz langsam zur Tür, nicht das er denkt, ich hätte nur darauf gewartet, dass er klingelt.

 

~

 

Erik steht in Sportklamotten vor meiner Tür und sieht einfach zum anknabbern aus.

Ich überlege, ob ich einen Migräneanfall vortäusche, um doch zuhause bleiben zu können.

"Na".

"Na".

Fängt ja ganz toll an.

Meine innere Stimme kommt langsam zu sich.

Bitte, keine Bilder projizieren, flehe ich mich selbst an und konzentriere mich auf den Reißverschluss an Eriks Kapuzenjacke.

Die Jacke ist dunkelrot, sieht gut an ihm aus.

"Fertig? Wollen wir?", fragt Erik und ich frage mich, ob es okay wäre, ihn einfach zu packen, auf die Couch zu werfen, mit Fragen zu löchern und ihn nie mehr gehen zu lassen.

Diesen Plan vertage ich erst einmal , behalte ihn jedoch im Hinterkopf.

"Ja", sage ich knapp und schlüpfe in meine Schuhe, stopfe noch die Sportschuhe in meinen Rucksack und schließe meine Haustür hinter mir. Wir gehen schweigend die Treppen runter, schließen schweigend unsere Fahrräder auf und fahren schweigend nebeneinander her.

Als wir nach nicht all zu langer Fahrt am Sportstudio ankommen, bin ich bereits total fertig.

Erik springt ganz locker von seinem Rad, ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich wohl einen Zwerchfellriss habe, er hatte ganz schön Tempo drauf und ich bin total aus der Puste.

Wir betreten das kleine Studio und am Ende des Tresens sitzt der schmale Hänfling.

Ich schaue ihn an. Er sieht mich und sieht plötzlich aus, als hätte er eine Fischgräte im Hals hängen.

Der arme Kerl. Ich beschliesse, heute freundlich zu sein, bestimmt war es nicht seine Absicht, dass seine Hand an meinem Oberschenkel landete als er mir ungefragt das Laufband einstellen wollte. Ich nicke ihm zu und sein Gesichtsausdruck erhellt sich sichtlich.

Er nimmt einen Schluck von seinem Getränk, was nach Proteinshake aussieht und ich bekomme Mitleid. Sicher wird er hunderte Proteinshakes und unendlich viele Trainingsstunden brauchen, um auch nur einen einzigen Muskel aufzubauen.

Erik hat irgendwas mit dem breiten Typen hinterm Tresen bequatscht und der nickt mir freundlich zu, wie ich zuvor dem schmalen Hänfling.

Bestimmt hat er auch Mitleid mit mir.

Erik drückt mir einen Schließfachschlüssel in die Hand.

 

Wir gehen zu den Umkleideräumen, um unsere Sportschuhe anzuziehen, ich betrete widerwillig den Raum, in dem es aufdringlich nach Deo und Schweiß riecht.

Zum Glück bin ich allein, wechsle schnell meine Schuhe und verstaue meinen Rucksack im Schließfach.

Da ich schon fertig angezogen war, warte ich nun auf Erik.

Er kommt endlich raus, dirigiert mich zum Aufwärmen auf den Stepper und stellt fünfzehn Minuten Intervalltraining an meinem Gerät ein..meine innere Stimme fängt schon wieder zu Lachen an.

Ich schaue ihn etwas ungläubig an aber er ist total konzentriert und scheint es wirklich ernst zu meinen.

Er stellt sich auf das Gerät neben meinem und stellt ebenfalls irgendwas ein.

Mein Gerät piept.

Erik schaut grinsend zu mir und fängt schon an zu steppen.

"Du musst auch mal anfangen", sagt er zu mir und ich setze mich langsam in Bewegung.

Oh Gott, ist das schwer. Offensichtlich beginnt das Intervalltraining mit einer Bergetappe. Ich habe jetzt schon Krämpfe.

Er will dich schwitzen sehen. Und leiden, feixt meine innere Stimme, sogar sie keucht schon.

Die Musik, die durch das Studio hallt, hilft ein wenig, aber noch ein wenig lauter und mir reißt neben meinem Zwerchfell und meinem Miniskus auch noch mein Trommelfell.

Wenigstens hört Erik mich nicht keuchen, was für eine Qual.

Ich gebe alles aber nach acht Minuten kann ich nicht mehr, mir ist richtig schlecht.

Ich schalte das Gerät aus und spüre meine Beine kaum noch, ich bekomme keine Luft und nehme eine unvorteilhaft gekrümmte Körperhaltung ein.

Erik schaut erschrocken zu mir und hört ebenfalls auf, er steigt von seinem Gerät und beugt sich besorgt zu mir herunter.

"Alles klar?", fragt er und ich frage mich, ob ich nach alles klar aussehe.

Nach wenigen Minuten kann ich wieder normal atmen.

"Vielleicht machen wir einfach mit was leichterem weiter, entschuldige", lacht Erik etwas verlegen.

"Du bist dann auch genug aufgewärmt", schiebt er schnell hinterher und schiebt mich zu den Geräten. Ah, ich will nicht, ich will was trinken und beim schmalen Hänfling am Tresen sitzen, der uns die ganze Zeit beobachtet. Ein Königreich für ein paar Trennwände.

Erik plaziert mich an ein Beingerät und beugt sich vor um Gewichte einzustellen und ich werde ganz benommen von seinem Aftershave.

Er hätte die Gewichte auch von der Seite einstellen können, bemerkt meine innere Stimme, er hätte sich ja nicht so nah zu dir beugen müssen..

Schon verstanden, denke ich.

Erik kommt wieder hoch und schaut mir direkt in die Augen, so nah hätte es auch nicht sein müssen..

"Das sollte für dich reichen", bemerkt er und schaut immer noch.

Er erwartet jetzt nicht, das ich vor ihm hier diese Übung mache?

Ich werde rot, ich kann es nicht verhindern.

 

~

 

Das restliche Training spulen wir krampfhaft herunter, Erik schaut mir in die Augen und bemüht sich, mich nicht zu berühren, stattdessen langt er immer schön haarscharf an meinem Arm, Bein, Gesicht und Bauch vorbei, um irgendwo irgendwas einzustellen.

Ich atme völlig verkehrt und meine innere Stimme bringt mich mit ihren Gedanken aus dem Gleichgewicht.

Nach einer Stunde sind wir beide total verschwitzt und ich bin heilfroh, das es endlich vorbei ist.

 

~

 

Wir begeben uns zum Tresen, ich schwitze einfach unaufhörlich, ich werde noch ein Handtuch brauchen und schiele zu Eriks hinüber, welches ihm locker um den Nacken hängt.

Erik bestellt uns irgendein Getränk und strahlt mich stolz an.

"Und? Hat's Spaß gemacht?", fragt er.

Haha, süß, er zwingt dich auf Geräte, an denen du eine wirklich anstössige Haltung einnehmen musstest..er hatte bestimmt seinen Spaß, denke ich und nicke nur zustimmend. Erik freut sich und nippt selbstzufrieden an dem Getränk.

Ich wische mir den Schweiß aus dem Gesicht.

"Gehst du hier duschen?", fragt Erik und schaut mit einem schnellen Blick meine durchweichten Klamotten an. Ein leichtes Grinsen huscht über sein Gesicht.

Wieso, willst du mitkommen?, denke ich und nehme eilig auch einen Schluck von dem Getränk, es schmeckt nach fader Himbeere.

 

~

 

Ich bemerke, wie Erik mich erwartungsvoll von der Seite anschaut.

Ich sehe zu ihm. „Und?“, fragt er. Ich habe doch tatsächlich vergessen, was er gefragt hat.

„Duschst du auch hier?“, wiederholt er seine Frage von vor zehn Sekunden und ich verneine.

„Dann ziehst du dich gleich um? Ich würde dann jetzt duschen gehen“.

Mir fällt ein, dass ich ganz vergessen habe, Klamotten zum Wechseln einzupacken.

Offensichtlich liest Erik Gedanken oder mein Gesichtsausdruck spricht wieder mal Bände.

Er lacht leise auf, „Ich kann dir ein Shirt ausleihen wenn du willst“, bietet er an. Bestimmt denkt er, ich mache das absichtlich, um Klamotten von ihm zu schnorren, die er dann nie wieder sieht.

„Das wäre ganz gut“, sage ich und Erik steigt von seinem Barhocker.

Unvermittelt zieht er mein nasses Handtuch von meinen Schultern, legt es mir auf den Schoss und wirft mir mit einer schnellen Handbewegung sein zusammengerolltes Handtuch um den Nacken, ohne es los zu lassen.

Erik zieht leicht an beiden Enden des Handtuchs, sodass ich etwas nach vorn kippe und wegen allgemeiner Schwäche, hervorgerufen durch die Anstrengung und Eriks Aftershave, beinahe vom Hocker falle und schlägt vor, sich in einigen Minuten wieder hier am Tresen zu treffen.

Ich weiß gar nicht, ob ich nun beeindruckt sein oder über diese Anmach-Geste lachen soll.

Bevor ich eine Entscheidung fällen kann, lässt er das Handtuch los und begibt sich beschwingt in Richtung Umkleidekabinen.

 

Ich drehe mich wieder zum Tresen, als sich neben mir jemand auf den Barhocker schwingt, im ersten Moment denke ich, Erik hat irgend etwas vergessen aber es ist der schmale Hänfling. Er bestellt sich ein Getränk und sitzt jetzt genauso da wie eben noch Erik, den linken Arm auf den Tresen gelehnt und mir zugewandt und fast wirkt es, als hätte Erik innerhalb weniger Sekunden eine Metamorphose vollzogen.

 

~

 

Krasser könnte der Unterschied nicht sein.

 

Erik ist mindestens einen Kopf kleiner als das schmale Hemd, zwar auch schlank aber deutlich muskulöser. Erik hat dunkelblaue Augen und dunkelblondes, fast kinnlanges Haar, während das schmale Hemd seine leicht welligen schwarzen Haare zu einer wilden James-Dean-Frisur gestylt hat und mich aus dunkelbraunen Augen anschaut.

 

Ich schaue genauer hin und bemerke seine fast unverschämt langen, dichten Wimpern um die ihn jedes Mädchen beneiden würde und mein Blick bleibt an einer hellen, länglichen Narbe hängen, die sich von der linken Seite seiner Oberlippe bis fast zur Nase erstreckt.

Ich bin mir fast sicher, zu wissen, woher diese Narbe rührt aber mir will der Name dazu nicht recht einfallen.

Das schmale Hemd trägt einen eineinhalb-Tage-Bart und jetzt, wo er mir direkt gegenüber sitzt, bemerke ich, das er zwar schmal aber durchaus trainiert ist.

Er hat sehnige Arme und schlanke Finger, die sich gerade um sein Glas mit einer Flüssigkeit schließen, die verdächtig nach Himbeer-Gesöff aussieht.

 

Automatisch greife ich nach meinem Glas und fast zeitgleich heben wir unsere Gläser als würden wir uns jeden Moment zuprosten.

Mein Getränk schmeckt immer noch fade und ich frage mich, ob sein Himbeer-Gesöff ebenso fade schmeckt. Fasziniert beobachte ich, wie sich sein Kehlkopf hebt und senkt, ihm scheint es wohl zu schmecken.

 

Ich merke, dass er mich die ganze Zeit über ansieht und mir wird bewusst, dass ich ihn ebenfalls die ganze Zeit über anstarre.

 

~

 

Ich versuche ein Lächeln aber es prallt gegen seinen taxierenden Blick aus sehr dunklen Augen und strandet unterwegs; ich schaue schnell zur Seite.

"Und?", vernehme ich neben mir, "Kommst du mal wieder her?".

Das schmale Hemd grinst leicht. Offenbar hat ihn meine Performance auf dem Stepper gut amüsiert.

"Vielleicht", gebe ich knapp zurück.

"Und wann wäre ungefähr vielleicht ?"

"Vielleicht am Wochenende?"

"Vielleicht mehr Samstag oder vielleicht mehr Sonntag?"

"Wohl eher Samstag"

"Und wenn du vielleicht am Samstag hier bist, von welchem Zeitraum sprechen wir da vielleicht ?", fragt er weiter.

Er zieht das durch, denke ich und ich muss über seinen Humor innerlich lächeln.

"Vielleicht so um vier?" antworte ich und frage mich ob das hier eigentlich ein verbindliches Gespräch ist.

"Also vielleicht am Samstag um vielleicht vier?", hakt er nach und ich denke, das ist verbindlich.

"Vielleicht", antworte ich keck.

Wir grinsen beide vor uns hin und ich frage mich, was meine innere Stimme gerade treibt.

Ich habe ungewöhnlich lange nichts von ihr gehört, keine Anmerkungen zum schmalen Hemd?

Ich horche in mich hinein aber meine innere Stimme bleibt vorerst stumm.

 

Das schmale Hemd sitzt noch immer mir zugewandt auf seinem Hocker und ich fühle mich etwas beobachtet.

Da mir das unbehaglich ist, beschließe ich, schon mal zu den Umkleideräumen zu gehen und dort auf Erik zu warten.

Ich mache Anstalten, vom Hocker zu steigen und drehe mich vom Tresen weg, die Hocker sind ziemlich hoch, ein Fuß baumelt beim Sitzen über dem Boden, den anderen habe ich locker hinter die Fußstütze geklemmt.

Ich rutsche mehr vom Sitz als das ich absteige und meine Beine scheinen gerade mehr aus Pudding zu bestehen und knicke um, bleibe mit dem anderen Fuß hinter der Stütze hängen und stürze nach vorn, doch das schmale Hemd ist zur Stelle und fängt mich auf.

Da er aber nicht über Flashmäßige Fähigkeiten verfügt und nicht so schnell zur Stelle war, hänge ich nun fast waagerecht, auf Bauchhöhe in seinen Armen, mein Fuß klemmt noch immer fest.

Das schmale Hemd steht fast in der Hocke, hält mich krampfhaft umklammert aber ich rutsche immer weiter an ihm herunter und er bekommt einen Lachanfall.

Er kann mich nicht mehr halten und landet auf seinem Hintern, er reißt mich mit und ich lande fast in seinem Schoß, den Hocker reiße ich mit, der landet wiederum auf meinem Hintern.

Er kann nicht an sich halten, er lacht sich kaputt, mir ist das alles unglaublich peinlich, ich versuche mich aufzurappeln und meinen Fuß zu befreien.

Plötzlich packt mich jemand von hinten und zieht mich hoch, ich bekomme meinen Fuß frei und werde auf meine Beine gestellt.

Erik schaut mich mit einem Blick an, der zwischen entsetzt und sauer schwankt.

Er hebt den Barhocker auf, ich reiche dem schmalen Hemd, der sich noch immer nicht eingekriegt hat, meine Hand aber Erik schiebt mich zur Seite.

"Das mache ich mal lieber", sagt er gedämpft und zieht ihn hoch.

Erik hält mir wortlos sein T-Shirt hin, ich nehme es und gehe so schnell ich kann aber ohne zu rennen, zur Umkleide, ohne das schmale Hemd noch einmal anzusehen.

 

~

 

Die Blamage vom Vortag steckt mir noch in den Gliedern als Carla mich in einer ruhigen Minute hinter den Tresen zieht.

"Und? Wie war's", fragt sie und ich halte nicht hinterm Berg, ich erzähle ihr von dem ganzen verunglückten 'Date' und dem Barhocker-Vorfall und sie schüttelt sich vor Lachen.

"Das war echt nicht witzig", gebe ich sehr trocken zurück.

"Doch, das ist sypmathisch", sagt sie und knufft mir in den Bauch bevor ihr die Stimme versagt weil sich ein weiterer Lachkrampf anbahnt.

"Ist es nicht, das war total bescheuert!", entgegne ich und jetzt wird auch noch Lydia, unsere Möchtegern-Chefin und Cyndi-Lauper-Reinkarnation auf Carla's Gegacker aufmerksam.

Carla winkt sie zu uns und berichtet stockend, weil immer wieder von Lachattacken unterbrochen, von meinem Missgeschick.

Lydia versteht erst nicht so recht, dann kann ich förmlich sehen wie sich ein Bild vor ihrem inneren Auge zusammensetzt und sie fängt ebenfalls lauthals an zu lachen.

Wirklich witzig, denke ich, lasse die beiden weiter gackern und gehe hinaus, um einen neuen Gast zu bedienen.

 

~

 

Der Tag zieht sich schleppend dahin, ich sehne heute besonders stark den Feierabend herbei, da sowohl Carla als auch Lydia immer wieder anfangen zu kichern und mir beteuern, wie unglaublich süß und witzig und wirklich überhaupt nicht schlimm das doch alles sei.

Sie hingen ja auch nicht mit dem Gesicht im Schritt eines ihnen eigentlich Unbekannten, mir ist das alles wahnsinnig unangenehm.

Nachdem ich mich am Vortag also schleunigst umgezogen hatte, bin ich geradewegs aus dem Studio gestürmt, Erik war gerade wieder mit dem Typen hinterm Tresen am quatschen, vom schmalen Hemd war nichts mehr zu sehen.

Erik rief mir hinterher, ich solle warten oder so etwas aber ich rief zurück, es sei schon okay und radelte in einem Affentempo nach Hause.

Ich verkroch mich ein weiteres Mal unter der Dusche, später klingelte Erik an meiner Tür.

"Na, alles im Lot?" fragte er und lehnte sich gewohnt entspannt in meinen Türrahmen.

"Alles in bester Ordnung", antwortete ich nicht ganz ehrlich.

Meine innere Stimme kam unterdessen langsam zu sich und vergrub einfach nur peinlich berührt ihren Kopf in die Hände.

"Mein Shirt hätte ich aber schon gern zurück" sagte er und und sah an mir herunter und mir fiel wieder ein, das ich nach dem Duschen erneut in sein Shirt schlüpfte, weil es ganz leicht nach ihm duftete.

Oh mein Gott, das wird ja immer besser, klagte meine innere Stimme und vergrub sich immer mehr.

"Jetzt sofort?", fragte ich zurück obwohl mir gar nicht nach Spaßig-sein zumute war, erntete aber ein entwaffnendes Grinsen.

"Kannst du noch etwas behalten, steht dir gut", sagte Erik und nach einigen Minuten voller halb verunglückter Komplimente und nicht-mehr-wissen-was-man-sagen-soll-Momente, verabschiedeten wir uns schließlich.

Offenbar nahm er mir den kleinen Unfall nicht übel, worüber ich wirklich froh war.

 

~

 

Als endlich der ersehnte Feierabend da ist, radele ich noch kurz was einkaufen und dann nach Hause, ich nehme mir vor, heute etwas auf dem Balkon zu sitzen weil es noch angenehm warm ist.

Gegen Abend klingelt es erneut an der Tür.

Es ist Erik.

Er steht da in Jogginghose, T-Shirt und nur mit Socken an den Füßen, offenbar hat er nicht vor, sich bei mir abzumelden weil er noch eine Runde Laufen geht.

Was will er dann?

"Hey", murmelt er und fährt sich durch die Haare.

Ach Mann, meine innere Stimme flippt aus...Jane, komm schon, jetzt schnapp ihn dir doch..auf die Couch mit ihm, Löcher in den Bauch fragen..weißt du nicht mehr?

Natürlich erinnere ich mich noch an meinen Plan aber ich stehe da wie angeschraubt.

"Ähm, möchtest du vielleicht reinkommen?", frage ich höflich und Erik betritt fast vorsichtig meine Wohnung als würden irgendwo Tretminen herumliegen.

"Ich wollte dich jetzt aber nicht stören", entschuldigt er sich.

Du störst nicht, wie sensationell das du hier bist, ich weiß nicht, was ich sagen soll, gibt meine innere Stimme eine Vorlage aber ich biete ihm nur stammelnd einen Tee und einen Platz auf meinem Balkon an, was er beides dankend annimmt.

 

Ich hantiere in meiner Küche herum und trage schließlich zwei Tassen mit dampfendem Tee Richtung Balkon.

Erik steht in der Tür und schaut hinaus.

Die Sonne verabschiedet sich langsam, der Himmel ist in zwei Hälften geteilt, eine Seite ist fast leuchtend violett und die andere Hälfte ist in ein tiefes dunkelblau getaucht.

Fast so dunkelblau wie Erik's Augen, haucht meine innere Stimme und ich stimme ihr nur wortlos zu.

 

Da ich noch keine Stühle für meinen Balkon gekauft habe, hole ich schnell einige Kissen von der Couch und wir lassen uns nebeneinander auf dem nach Kunstrasen aussehenden Teppich nieder.

Der lag schon dort als ich eingezogen bin und nun bietet er eine gemütliche Sitzgelegenheit. 

 

~

 

Dafür das es bereits fast Mitte Juli ist, herrschen noch angenehme und nicht sehr hohe Temperaturen. Der Sommer lässt etwas auf sich warten. Es ist den ganzen Tag nicht sonderlich heiß gewesen, nun ist es noch immer angenehm warm und es weht ein leicht frischer Wind.

 

Erik und ich sitzen in trauter Zweisamkeit nebeneinander und nippen an unserem Tee, das leuchtende Violett verwandelt sich in ein helles Orange-Rosa, der Himmel bietet uns heute ein bezauberndes Schauspiel.

 

Erik redet die ganze Zeit, er erzählt von seinem Studium, seinen Eltern, die irgendwo ein Haus haben, wo sie oft den ganzen Sommer verbringen und manchmal auch den Winter und von seiner Zeit als Austauschschüler und was ihm das alles tolles gebracht hat und das er für ein dreiviertel Jahr in Thailand gelebt hat und ich werde schläfrig und lausche nur stumm seinen Erzählungen und denke darüber nach, dass ich das alles nicht erlebt habe und an meine ungeliebte Ausbildung, die ich aber durchgezogen habe weil mir einfach nichts besseres eingefallen ist und ich meinen Eltern nicht zur Last fallen sollte und wollte.

 

Thailand...traumhaft. Das tiefe dunkle Blau am Himmel breitet sich aus, vereinzelt sind die ersten Sterne zu sehen.

Ich vernehme ein leises Rauschen, verursacht durch einen gleichmäßigen Wellengang, das Meer ist eine einzige dunkelblaue Decke, die sich vom Wind getrieben senkt und hebt. Es duftet intensiv nach Orchideen und Ingwer und Sand und Meer und über mir erstreckt sich ein weiteres Meer aus weißen, funkelnden Sternen.

Irgendwo in der Ferne höre ich jemanden meinen Namen rufen.

Es ist zu schön hier, der Sand ist fein und weich und warm. Das Meer plätschert mit gleichmäßigem Rauschen an den Strand und ich möchte das Wasser an meinen nackten Füßen spüren. Der Sand gibt nach als ich über ihn laufe, er fühlt sich wie Samt an. Ich bemerke eine Gestalt neben mir, sie ist nur undeutlich zu erkennen, schemenhaft, verschwommen, flimmernd, als würde sie große Hitze umgeben.

Obwohl es eine sternenklare Nacht ist, hebe ich meine Hand ans Gesicht, als könne ich die Gestalt so besser erkennen. Zu meiner Überraschung ist es das schmale Hemd. Er trägt nur eine helle Jeans, die er bis zu seinen Knien hochgekrempelt hat. Er kommt in leichtem Laufschritt auf mich zu. Seine schwarzen Haare sind feucht, kleine Tröpfchen schimmern darin als wäre er gerade eben schwimmen gewesen, er ist leicht gebräunt und entblößt beim Lachen seine weiße Zähne, sie strahlen mit seinen braunen Augen um die Wette.

Wie ich mich freue ihn zu sehen.

 

„Jane?“, höre ich wieder jemanden sagen, dieses Mal näher.

Irgendwas drückt mir in die Wange.

Berührt meinen Arm, rüttelt leicht.

Oh, denke ich benommen, bin ich eingeschlafen?

Ich merke, dass ich mit dem Kopf auf Eriks Schulter liege, sie drückt gegen mein Gesicht und Erik versucht, mich aufzuwecken.

 

Erik erzählt mir die Geschichte seines bisherigen Lebens und ich penne einfach ein. Grandios.

Aber ich bin so unglaublich schläfrig.

„Entschuldige..“, sage ich und kann kaum ein Gähnen unterdrücken.

„Schon gut, ist auch schon spät“, erwidert Erik aber ich merke dass er leicht gekränkt ist.

 

Der Himmel ist mittlerweile in ein dunkles Blau getaucht, wie in meinem Traum, trotzdem ist es nicht richtig dunkel. Es ist etwas kühl geworden, mich überkommt ein leichter Schauer und ich schüttle mich spontan.

„Ist dir kalt?“, fragt Erik und will seinen Arm um mich legen aber ich bin schon halb dabei, mich von den Kissen zu erheben.

Ich reiche ihm meine Hand und ziehe ihn hoch, er scheint diese Geste irgendwie falsch zu interpretieren.

Er steht direkt vor mir und streicht mir mit Nachdruck eine Haarsträhne hinter mein Ohr, da sie nicht so richtig hinter meinem Ohr bleiben will.

Ach du grüne Neune...brenzlig brenzlig...Fluchtweg versperrt, Jane?, ärgert mich meine innere Stimme. Sie hat recht, Erik blockiert den Weg ins Wohnzimmer. Einfach an ihm vorbeimogeln geht also nicht.

 

Ich bin verwirrt. Ich sitze hier allein mit dem atemberaubenden Erik auf meinem Balkon, in meine Kissen gebettet und ich träume vom schmalen Hemd. Das bedarf einer eingehenden Analyse aber dafür bin ich zu müde.

 

„Ja“, sage ich gedehnt, in einem möglichst munteren Aufbruchsstimmungston und sammle unsere Teetassen ein. Meine ist noch ganz voll und mittlerweile kalt.

„Tut mir echt leid dass ich einfach eingeschlafen bin, war wohl doch ein ziemlich langer Tag“, entschuldige ich mich noch einmal, zwänge mich nun doch an Erik vorbei und bitte ihn noch, die Kissen einzusammeln.

Er versucht sich nichts anmerken zu lassen, wirkt aber enttäuscht. Er sammelt die Kissen ein, drapiert sie auf meiner Couch und entschuldigt sich dann ebenfalls damit, dass es sei schon spät sei und er auch müde ist und verspricht, sich am nächsten Tag zu melden.

 

~

 

Ich wasche mir mein Gesicht mit kaltem Wasser aber das reicht mir nicht. Ich lasse das Waschbecken volllaufen und tauche mein Gesicht hinein, solange, bis ich keine Luft mehr bekomme und nach Luft schnappen muss.

Was ist nur los mit dir?, frage ich mein klitschnasses Spiegelbild, bekomme aber keine Antwort.

Meine sonst so muntere innere Stimme lässt mich ebenfalls mit dieser Frage allein.

Da ich das heute und womöglich auch morgen nicht klären kann, gehe ich einfach schlafen.

Ich bin tatsächlich hundemüde und mir fallen sofort die Augen zu, bis ich durch Klingeln und Klopfen an meiner Tür und der immer motivierenden Eye of the Tiger-Melodie von meinem Handy, aus dem Schlaf gerissen werde.

Ich bin schlagartig wach, ich weiß das ich verschlafen habe.

Ich nehme das Gespräch an und gehe zur Haustür.

„Jane? Hallo? Wo bleibst du denn, ist alles in Ordnung?“, ertönt Carlas leicht besorgte Stimme aus meinem Handy, ich öffne die Tür und davor steht ein fragend dreinschauender Erik in Sportklamotten und einem Coffe-to-go-Becher in der Hand.

Jetzt bin ich diejenige, die fragend schaut.

„Moment“, sage ich zu Erik und zu Carla: “Alles gut, ich habe nur verpennt, bin schon auf dem Weg“.

„Alles klar, bis dann“, sagt sie und ich überlege, ob ich eine Joggingrunde am frühen Morgen mit Erik vergessen habe.

„Hey, waren wir verabredet? Ich..“, „Nein, nein“, fährt Erik dazwischen, „Ich war joggen und dachte, ich bringe dir einen Kaffee mit..“, erklärt er und steht etwas unbeholfen herum.

Ach wie süß, einen Kaffee, gibt ja nicht genug Kaffee da wo du arbeitest, hm?, stänkert meine innere Stimme; wo war sie denn um mich rechtzeitig aufzuwecken? Ich beschließe, sie zu ignorieren und bitte Erik hinein.

„Das ist echt lieb, ich mache mich mal eben fertig“, erkläre ich ihm, nehme den Pappbecher an mich und verschwinde ins Bad, Erik lasse ich im Flur zurück.

 

Wie spät haben wir es denn?, frage ich mich und schaue zwischendurch auf mein Handy während ich in meine Klamotten schlüpfe.

Wir machen um zehn auf, jetzt ist es viertel vor elf.

Da ich sowieso zu spät bin, entscheide ich mich dafür, einfach alles in Ruhe zu erledigen, bevor ich in meiner Hektik noch irgendeinen Unfall baue.

Der Kaffee ist noch immer brühend heiß, ich bedanke mich noch einmal bei Erik und drücke ihm den Becher wieder in die Hand, da ich den Kaffee nicht auf dem Fahrrad trinken will und mache mich dann auf den Weg.

 

~

 

Der Tag ist anstrengend, das Wetter ist schön, der Laden rappelvoll und wir unterhalten uns wieder darüber, das wir gut Hilfe gebrauchen könnten.

Mein Schwager erzählte mal, das er nach kurzer Zeit schon überlegte, noch zwei Leute mehr einzustellen, um die Arbeitstage und Zeiten flexibler zu gestalten und für den Fall, dass jemand krankheitsbedingt ausfällt, nicht im Chaos zu versinken.

Bisher hatte er das Thema nicht wieder aufgegriffen aber an Tagen wie heute waren wir alle etwas überlastet und ich gab Carla und Lydia das Versprechen, mit ihm zu reden.

 

Als ich am frühen Abend zu Hause ankomme und gerade meine Tür aufschließe, kommt Erik aus seiner Wohnung.

Obwohl er sich wohl freut mich zu sehen, habe ich den Eindruck, er wäre mir lieber nicht über den Weg gelaufen.

Das Gefühl verlässt mich auch nicht als er mir spontan einen Kuss auf die Wange gibt und berichtet, er sei noch mit Freunden verabredet, was er allerdings bedauert da er lieber den Abend mit mir verbringen würde.

Ich wundere mich etwas über Erik, er scheint auch nicht in Betracht zu ziehen, ich könnte an einem Freitagabend ebenfalls etwas vorhaben, sondern geht wie selbstverständlich davon aus, ich hätte Zeit für ihn gehabt.

Das es tatsächlich so gewesen wäre, kann er ja nicht wissen.

 

~

 

Noch etwas anderes beschäftigt mich.

Der Traum vom schmalen Hemd, was ich mir allerdings relativ schnell selbst erkläre.

Nach dem kleinen Desaster ist es sicher keine große Überraschung, das er in meinem Traum auftaucht.

Und was ist mit unserer 'Quasi-Verabredung' im Fitnessstudio?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich einfach hinfahre und schaue, ob er tatsächlich auftaucht.

Ich bin mir auch am Samstag nicht sicher und frage mich außerdem, wann und ob Erik eigentlich nach Hause gekommen ist.

Seit ich weiß, dass er nebenan wohnt, nehme ich jedes Geräusch aus seiner Wohnung wahr. Ich habe es vorher auch gehört, zum Beispiel wenn seine Haustür geschlossen wurde oder Wasser lief, hatte es da aber nur unbewusst wahrgenommen.

 

Ich bin über diesen Gedanken im Cafe´ nur halb bei der Sache, als Carla mich zur Seite zieht.

"Du kommst auch heut' Abend, ja?", fragt sie strahlend und ich habe wieder das Gefühl, irgendwas nicht mitbekommen zu haben.

Offenbar sieht sie es mir an und zieht ein übertrieben eingeschnapptes Gesicht.

"Heute Abend, bei mir!", sagt sie, "Du kommst doch? So gegen neun?".

Oh je, ob es Feijoada gibt?, frage ich mich und möchte ihr eigentlich sagen, dass ich das nicht essen werde, stimme aber erstmal zu und sie freut sich, dass es irgendwann aber bald so schnell geklappt hat und ich muss lachen. Das wird bestimmt ein schöner Abend, auch wenn ich etwas beleidigt bin, das sie genau wie Erik davon ausgeht, dass ich selbstverständlich und spontan an einem Samstagabend Zeit und sonst nichts zu tun habe.

Eigentlich wollte ich sie um Rat bezüglich des schmalen Hemdes fragen aber es bietet sich einfach keine Gelegenheit.

Daher entscheide ich mich ganz allein dafür, zur eventuell verabredeten Zeit im Fitnessstudio aufzukreuzen.

 

~

 

Ich hetze nach Hause und bin mit jedem Meter den ich näher komme auch nicht sicherer über das, was ich tun soll.

Irgendwie hoffe ich, Erik nicht zu treffen, ich habe eigentlich kein schlechtes Gewissen aber trotzdem fühle ich mich eigenartig bei der ganzen Aktion.

Als ich die Treppe zu meinem Stockwerk hinauf steige, sehe ich, dass etwas an meiner Tür hängt.

Als ich oben angekommen bin erkenne ich, was es ist.

Ein kleiner grüner Zettel.

Ruf mich bitte an, Erik steht darauf und auf der Rückseite seine Handynummer.

Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen.

Kaum bin ich in meiner Wohnung, wähle ich seine Nummer, unschlüssig darüber, was ich überhaupt sagen soll und neugierig darauf, was Erik will.

Es klingelt unendlich lange und als ich gerade auflegen will, meldet sich ein unruhiger Erik.

"Hallo?", fragt er etwas atemlos und gedämpft in sein Handy.

"Ich bin's, Jane", antworte ich, um einen möglichst neutralen Ton bemüht, obwohl mir das Herz bis zum Hals schlägt.

"Hey", kommt es erfreut zurück, "schön dass du dich meldest".

"Ja..", sage ich knapp, da ich nicht weiß, was ich sagen soll.

"Bist du zuhause?"

"Gerade eben"; ich erspare mir die selbe Gegenfrage, da er dem Zettel an meiner Tür nach zu schliessen, wohl nicht zuhause ist.

"Hast du morgen vielleicht Zeit? Ich würde gerne mal mit dir reden".

Oh Jane, das klingt wichtig, sagt mir meine innere Stimme.

Ich würde gerne mit dir reden, wiederholt sie, wärt ihr schon lange ein Paar würde ich mir über diese Worte Sorgen machen..aber so...sinniert sie weiter und ich denke, meine innere Stimme hat Recht, ich brauche mir keine Sorgen machen.

"Ja, habe ich, möchtest du zum Frühstück kommen? Gegen..", ich überlege kurz.

Heute abend zu Carla, wie lange mag das bei ihr dauern? Wie ich mich kenne, werde ich so oder so länger schlafen.

"Gegen zwölf?", frage ich und muss über diese Zeit selbst schmunzeln.

Erik lacht. "Alles klar, Frühstück um zwölf, bei dir?", hakt er nach. Wie es aussieht, habe ich ihn zu mir eingeladen, die Möglichkeit, irgendwo in ein Cafe zu gehen habe ich glatt vergessen.

"Bei mir", bestätige ich daher.

"Ich freue mich drauf. Bis dann Maus", verabschiedet er sich und hat schon das Gespräch beendet, bevor ich vor lauter Verdutztheit etwas sagen kann.

Maus?, wiederholt meine innere Stimme wieder, hat er gerade Maus gesagt?

Hat sich jedenfalls so angehört, ich wüsste auch nicht, warum er Haus oder Klaus sagen sollte.

Maus.

Das werden wir dann wohl morgen ausführlich erörtern aber heute möchte ich wissen, ob das schmale Hemd im Fitnessstudio aufkreuzt.

Ich mache mich frisch, ziehe mich um, packe dieses Mal gewissenhaft meinen Rucksack und radele schließlich pünktlich los.

 

~

 

Nachdem ich mein Fahrrad angeschlossen habe, schaue ich kurz auf mein Handy.

Es ist kurz vor vier Uhr.

Du bist viel zu pünktlich. Willst du nicht nochmal zurück fahren und dann wiederkommen? Wie sieht das denn aus wenn du hier so zeitig auftauchst?, plappert meine innere Stimme.

Ich weiß nicht, wie sieht es denn aus?, frage ich mich selbst und betrete das Studio.

Ich hoffe etwas, dass der Typ hinterm Tresen heute nicht da ist. Wie es scheint kennt er Erik ganz gut. Wer weiß wie das rüberkommt wenn ich hier mit dem schmalen Hemd abhänge. Mein Hoffen wird erhört.

Zumindest steht hinter dem Tresen nicht der breite Typ, sondern eine ganz fitte, sehr sportlich und knapp bekleidete junge Frau in meinem Alter, die mich anlächelt und sehr freundlich auftritt.

"Hallo", piepst sie und lächelt unheimlich breit.

"Schließfachschlüssel?", fragt sie knapp, ohne das breite Lächeln einzustellen.

"Ich warte noch auf jemanden", antworte ich und schaue mich um.

Hier unten ist er jedenfalls nicht.

Ich bleibe am Tresen stehen, da ich mich nicht recht auf den Barhocker traue.

"Kann ich dir weiterhelfen?", piepst sie wieder und ich überlege spontan, auf welcher Frequenz sie sendet, ihre Stimme ist wahnsinnig hoch.

"Möchtest du was trinken?", fragt sie mit ihrer Piepsstimme.

Also, die löst glatt einen Tinnitus aus, lästert meine innere Stimme, Nein warte, das IST ein Tinnitus!

Ich muss grinsen.

"Nein danke", antworte ich und hoffe, sie fragt mich nichts mehr.

"Bist du neu hier? Ich habe dich noch nicht hier gesehen", piepst sie weiter.

Verdammt! Das hält man ja nicht aus, wie kann jemand mit einer so hohen Stimme sprechen?

"Ja, sozusagen, ich war noch nicht oft hier", sage ich schnell und drehe mich weg. Bitte, schmales Hemd..schicke ich ein kurzes Gebet zum Himmel, die Piepsstimme ist nicht zu stoppen.

"Ah ja, schön das du hier trainiert, normalerweise gehen ja alle zu diesen großen, günstigen Studios aber das ist da so unpersönlich, hier kannst du immer jemanden ansprechen wenn du mal Hilfe brauchst, beim Training oder so..".

Oh bitte, ja, unpersönlich, sei unpersönlich, das hält man ja nicht aus, klingelt es schon in deinen Ohren?, meine innere Stimme ist ganz aufgebracht.

Ich drehe mich zu der Piepsstimme, die immer ganz leicht mit ihrem Kopf wackelt, sodass ihr langer Pferdeschwanz hin und her wippt.

"Bist du eine ausgebildete Trainerin?", frage ich neugierig, meine innere Stimme schlägt ihre nicht vorhandenen Hände über ihrem nicht vorhandenen Kopf zusammen.

Ermutige sie doch nicht noch!

Die Piepsstimme fährt sich mit einer Hand durch ihren langen Zopf und legt ihn über ihre Schulter. Völlig sinnlos, sie wackelt wieder leicht mit dem Kopf und der Zopf rutscht wieder nach hinten.

"Nein, ich mache das hier nur nebenbei, ich studiere Jura", piepst sie, "Ist nicht wahr!", rufe ich ein wenig zu überrascht.

Kannst du dir die vor Gericht vorstellen? Mit der Stimme? Die gewinnt jeden Prozess, nur um sie los zu werden, ich schäme mich für meine innere Stimme.

"Das ist ja interessant", schiebe ich schnell noch hinterher, doch sie hat meine Überraschung bemerkt.

"Das ist es", gibt sie kurz und piepsend zurück.

Jetzt ist sie beleidigt, stellt meine innere Stimme fest, hoffentlich ist sie jetzt still.

"Möchtest du wirklich nichts? Deine Verabredung lässt dich aber warten", sagt sie spitz und lächelt noch immer breit.

Die gibt wohl nie auf, bitte, Jane...flehe ich mich selbst an.

Ich überlege, einfach draußen zu warten, als mir jemand eine Hand auf meine Schulter legt.

"Na, wartest du schon lange?", fragt das schmale Hemd und lächelt mich an und nickt kurz grüßend dem piepsenden Pferdeschwanz zu.

"Nein, bin auch eben erst gekommen", sage ich und werfe einen schnellen Blick zur Piepsstimme, die noch immer breit lächelt aber glücklicherweise nichts sagt.

Das schmale Hemd führt mich am Arm nach draußen.

Ich bin etwas irritiert.

"Wir können auch was anderes machen wenn du willst", schlägt er vor.

"Zum Beispiel?"

"Wir könnten an den See fahren und uns ans Wasser hauen. Oder wir fahren in die Stadt, da ist heute ein Flohmarkt, soweit ich weiß, magst du Flohmärkte?"

"Kommt auf den Flohmarkt an"

"Oder beides? Erst Flohmarkt danach See?", schlägt er vor.

"Die Seen, die ich kenne sind aber alle etwas außerhalb", bemerke ich, mit dem Fahrrad fahre ich bestimmt zwei Stunden da hin.

"Ach so, ich bin mit dem Auto da", sagt das schmale Hemd.

"Und ich mit dem Fahrrad", sage ich.

"Das können wir in den Wagen legen." Er schaut mich erwartungsvoll an.

Ich blinzle in den Himmel.

Es ist ziemlich warm heute, vielleicht der wärmste Tag bisher, richtig sommerlich, blauer Himmel, nur vereinzelt Wolken am Himmel.

"Können wir an den See fahren?", frage ich, ich freue mich richtig darauf, ich war ewig lange nicht da.

"Klar", antwortet das schmale Hemd und lächelt ein wirklich süßes Lächeln.

Ich schließe mein Fahrrad ab und schiebe es neben ihm her zu seinem Auto.

 

~

 

"Wie heißt du eigentlich?", frage ich ihn; ich denke, wenn wir gemeinsam einen kleinen Ausflug machen, sollte ich vielleicht wissen, wie ich ihn anrede.

Schmales Hemd dürfte weniger in seinem Sinne sein.

Ich vernehme "Ty" und bin mir nicht sicher, ob er was gesagt hat oder es ein kurzer Nieser war.

"Wie bitte?", hake ich nach.

"Ich heiße Ty", sagt Ty.

"Ist das dein Spitzname oder eine Abkürzung?"

"Nichts davon, einfach Ty", erklärt er und ich finde den Namen schön.

Wir bleiben vor einem grasgrünen VW-Bus stehen, es ist nicht der klassische, den man überall sieht, sondern etwas kastiger und sportlicher.

"So, da wären wir, ich lege dein Fahrrad hinten rein", sagt Ty und schließt die Schiebetür auf.

"Also..wenn du vorhast mich mit dem Teil zu verschleppen, würde ich gern vorher noch jemanden anrufen und dein Kennzeichen durchgeben", sage ich trocken.

Wenigstens sind die Fenster nicht zugeklebt, alles hell und freundlich.

Ty grinst und wuchtet mein Rad ins innere des Wagens.

Ich werfe einen Blick hinen, es ist mit einer Sitzbank oder Schlafpritsche und einigen kleinen Schränken und einem kleinen Tisch aus weißem Holz ausgestattet und erinnert mich an das Wohnmobil meiner Eltern und mir fällt kurz erschrocken auf, dass ich seit einer Woche nichts von ihnen gehört habe.

"Das ist ja nett", sage ich.

"Perfekt geeignet um freche Mädchen zu verschleppen", entgegnet Ty und grinst mich seinerseits frech an.

"Alles klar, fahren wir mal, bevor ich es mir anders überlege", sage ich und kann mir meinerseits ein breites Lächeln nicht verkneifen.

Ty...wer bist du?, denke ich und steige ein.

 

Meine innere Stimme bleibt in seiner Gegenwart mal wieder erstaunlich stumm.

 

Wir fahren los und ich überlege, wie ich ein Gespräch anfangen soll.

"Ich heiße übrigens Jane", sage ich, da mir die ganze Situation seltsam vorkommt. Wir kennen uns ja überhaupt nicht und trotzdem fühle ich mich sehr wohl hier mit ihm.

"Das weiß ich", entgegnet er.

"Wie, woher denn?". Ich kann mich nicht daran erinnern, ihm meinen Namen gesagt zu haben.

"Ich habe Tim vom Empfang bekniet es mir zu verraten", gesteht er und ich bin mir nicht sicher, ob er scherzt.

"Echt jetzt?", frage ich perplex.

"Warum hast du mich denn nicht gefragt?".

Ty schaut mich kurz an und lächelt.

"Naja, nach unserem ersten aufeinandertreffen dachte ich, du würdest niemals mit mir reden".

"Oh", sage ich, "ja, tut mir leid, ich war etwas überfordert und...", versuche ich zu erklären.

"Schon gut, ich wollte dich nicht bedrängen, mir tut es leid dass ich dir da auf die Pelle gerückt bin."

"Ich habe von dir geträumt", berichte ich spontan, ich habe das Bedürfnis, ihm davon zu erzählen.

Er ist ziemlich überrascht.

"Was? Wirklich? Dann war das ja ein Alptraum", meint Ty ganz ernst.

"Nein, eigentlich nicht, warum sagst du das?".

Doch er zuckt nur mit den Schultern und antwortet mit einer Gegenfrage.

"Also war es ein schöner Traum?"

"Doch, ja, du warst fast nackt, also.." sage ich und jetzt muss er laut lachen.

"Also doch ein Alptraum", sagt er nochmal aber ich winke ab.

"War sehr angenehm, wirklich" bemerke ich mit Nachdruck und Ty lacht nur verschmitzt in sich hinein.

"Und du? Warst du auch nackt?"

Jetzt muss ich laut lachen.

"Ich weiß nicht, kann schon sein".

Ty, denke ich nur, Ty, dieser Mensch hat Ecken und Kanten und Humor und eine Energie, die man nicht sofort wahrnimmt. Von weitem wirkt er, als könne ihn der kleinste Luftzug fortwehen aber er ist so kraftvoll, dass ich es kaum beschreiben kann. Ich mag ihn sehr, soviel steht fest. Er ist in seiner Gesamtheit wunderschön, soviel steht auch fest.

 

~

 

Nach kurzer Fahrt, die viel kürzer war, als ich es von früher in Erinnerung hatte, parkt Ty auf einem weiträumigen Schotterplatz, in einem Waldstück in der Nähe des Sees.

Es hat sich nicht viel verändert, obwohl ich das letzte Mal als Kind mit meiner Familie hier war.

Es stehen bereits unzählige Wagen hier, der schmale aber lange Strand wird sicher total überfüllt sein.

Ich bemerke wieder, wie warm, fast schon schwül es heute ist, die Leute sehnen sich nach dem Sommer, der bisher sehr mäßig war. Plantschen im See und grillen und picknicken, dafür ist es heute ideal.

Ich teile Ty meine Vermutung mit, dass es schon gut gefüllt sein wird und er

zeigt mir einen Weg, entgegen dem Hinweisschild, welches zum Strand führt.

"Ich kenne da ein nettes Plätzchen, ist nicht weit vom Strand weg aber in so einem versteckten Knick, da hat man seine Ruhe", erklärt er und wir wandern den kleinen Waldpfad entlang.

Am Ende des Pfades gehen wir einfach quer durch den Wald und lassen einiges Geäst und kleine Büsche hinter uns, und treten schließlich an einen kleinen, halbrunden Strand. 

Einige Äste reichen, flach über dem Wasser schwebend, gut zwei Meter in den See hinein.

Ich setze mich auf einen dicken Ast, ziehe mir die Schuhe aus und krame das Handtuch aus meinem Rucksack.

"Wir können uns hier draufsetzen", sage ich zu Ty, der sich bereits, bis auf der Shorts, seiner Klamotten entledigt hat.

Ich weiß nicht genau, wo ich hingucken soll und starre auf den See, der gemächlich daliegt.

Die Geräusche der Badegäste, die in einiger Entfernung aber für uns nicht sichtbar, irgendwo links von uns herumlärmen, dringen zu uns durch.

Der öffentliche Badebereich ist durch Bojen und Begrenzungen abgetrennt, es wird sich niemand hierhin verirren.

"Na", sagt Ty und steht lächelnd vor mir, "möchtest du dich abkühlen?".

Bevor ich irgendwas sagen kann, hat er mich schon gepackt und trägt mich mit erstaunlicher Leichtigkeit und quer geschultert zum Wasser.

Ich quietsche vor Überraschung und versuche, mich zu befreien, bevor er mich in den See werfen kann. Er lacht, wirbelt mich herum und lässt mich schließlich gnädig von seinen Schultern gleiten.

"Bin gleich wieder bei dir", sagt er vergnügt, rennt ins Wasser und taucht ab.

 

~

 

Ich breite mein Handtuch aus, lege mich drauf und spüre ein wohliges Kribbeln überall in mir, bei dem Gedanken daran, dass er mich gerade berührt hat.

Verrückt.

Ich schließe meine Augen und horche in mich hinein aber bis auf das angenehme Kribbeln und einen erhöhten Herzschlag ist da nichts irgendwie negatives.

Plötzlich tropft es auf mein Gesicht.

Ich öffne meine Augen, blinzle gegen die Sonnenstrahlen an, die sich stellenweise durch das tiefhängende Blätterdach zwängen und schaue in Ty's glänzende, dunkelbraune Augen.

Seine schwarzen Haare und seine ganz leicht gebräunte Haut schimmern vor Feuchtigkeit, fast so wie in meinem Traum.

Er liegt, auf einem Arm abgestützt, ganz dicht neben mir und schaut mich an.

"Schön", entfährt es mir und Ty hebt nur kurz die Augenbrauen, ohne seinen Blick abzuwenden. Nicht aufdringlich, nicht zu durchdringend oder wertend, er schaut mich einfach an und sein leicht verschmitztes Lächeln zeigt mir, das er wohl gerade sehr zufrieden ist.

"Was?", fragt er und ohne überlegen zu müssen oder zu zögern sage ich "Du".

 

~

 

OH mein Gott, bist du denn komplett...bescheuert?!

Meine innere Stimme meldet sich überraschend laut und bekommt einen hysterischen Anfall, trommelt mit beiden Fäusten gegen meine Schädeldecke, nimmt mich in den Schwitzkasten und schlägt entsetzt die Hände vor's Gesicht.

Das kannst du doch nicht...wie lange kennt ihr euch noch mal?..Eine Stunde und? Zwanzig Minuten? Mach das rückgängig, nimm es zurück, sag', dass es ein Scherz war, mach..mach was!, meine innere Stimme ist wirklich total panisch, sie redet auf mich ein, so laut, dass ich vor lauter Panikmache Ty's Gesicht direkt vor mir kaum sehen kann.

Ich blinzle ein paar Mal und traue mich kaum, ihn anzusehen.

Er liegt noch immer neben mir, das ist schon mal gut, er hat nicht die Flucht ergriffen-noch nicht, wirft meine innere Stimme ein- und er schaut mich an.

Er schaut mich nicht direkt an, sein Blick geht irgendwo an mir vorbei in den Sand und er grinst nicht mehr. Er guckt ernst.

 

Aber, es ist doch wahr, denke ich trotzig, schau' ihn dir doch an, sage ich zu mir selbst, als hätte meine innere Stimme keine Augen sondern nur diese hysterisch hohe Tonlage.

Diese hervorstechenden Wangenknochen, dichten Wimpern, diese schmale Narbe an seinem Mund..an seinem Mund, der aussieht, als wüsste er gerade nicht, ob er lachen oder weinen soll.

Ich wiederstehe dem starken Impuls, ihm über seinen Mund zu streichen- ist auch besser so, jetzt rück' das gerade, befielt meine innere Stimme. Ich denke schliesslich, dass sie recht hat.

 

Ich versuche ein zwangloses Lachen.

"Also, so meine ich das jetzt nicht, es ist nur schön, hier, also, hier ist es schön, ja, echt schön hier", sage ich und merke selber, wie blöd sich das anhört.

 

Ich zucke zusammen als Ty plötzlich lacht und mich am Bauch kitzelt.

"Doch, meinst du, du findest mich schön, mich!", lacht er triumphierend und rollt über das kleine Stückchen Strand, bis er über und über voller Sand ist, rollt sich zu mir zurück und knufft mir wieder in den Bauch.

Er dreht sachte meinen Kopf zu sich herum, damit ich ihn auch ja ansehe.

"Dito", sagt er, springt auf und taucht erneut im See ab.

 

~

 

Ich setze mich auf und wische mir den Sand aus dem Gesicht.

Okay. Das war jetzt irgendwie..nett. Also gleich zwei schöne Menschen an einem See, im Sand, dann ist ja alles gut, resümiert meine innere Stimme etwas beruhigter.

 

Ich bin auch ganz entspannt, das hätte wirklich peinlich werden können.

Ty kommt aus dem Wasser, ich schüttle den Sand aus meinem Handtuch und reiche es ihm, damit er sich etwas abtrocknen kann.

Wir setzen und auf den Baumstamm und fangen an, über alles mögliche zu reden, ich habe den Eindruck, noch nie in meinem Leben so viel an einem Stück geredet zu haben.

Wir reden über Musik, über Politik, Filme, Gott, machen Scherze und reden über alles aber irgendwie nicht über persönliches.

Es ist so einfach mit ihm zu sprechen und offenbar empfindet er dasselbe, er ist gar nicht zu stoppen und seine Augen leuchten und wir sind erstaunt, wie oft wir einer Meinung sind.

 

"Ist dir kalt?", fragt Ty plötzlich und mir fällt auf, dass mir tatsächlich kalt ist und es dunkler geworden ist.

Über dem See hängen schwarze Wolken, ein Gewitter zieht auf.

"Oh, da kommt gleich richtig was runter", sage ich und wir beschließen, zum Wagen zurück zu gehen.

 

Auf dem Parkplatz wuseln bereits die Leute umher, die meisten sind im Aufbruch, da in der Ferne schon Donner zu hören ist und es bereits leicht anfängt zu regnen.

Wir setzen uns in den Wagen, Ty ans Steuer und ich auf dem Beifahrersitz, und beobachten, wie sich nach und nach der Parkplatz leert, als das Gewitter richtig losbricht.

Ty möchte nicht unbedingt bei strömenden Regen losfahren, also bleiben wir einfach noch und beobachten schweigend, wie der Regen gegen die Scheiben prasselt.

 

~

   

"Ich glaube, den Flohmarkt können wir vergessen", sagt Ty und reißt mich aus meinen Gedanken.

"Ja, glaube ich auch", stimme ich zu. Ich versuche, mich zu erinnern, woran ich gerade dachte aber ich habe den Faden verloren.

Trotzdem bleibt das Gefühl, etwas wichtiges vergessen zu haben.

 

Der Klingelton meines Handys durchbricht die Stille und sowohl Ty als auch ich schauen uns erschrocken an.

Ich krame es aus meiner Tasche und als ich sehe, wer anruft, fällt mir wieder ein, was ich vergessen habe.

"Carla", sage ich und am anderen Ende vernehme ich Carlas Stimme, die in einem Wirrwarr aus Hintergrundmusik und Stimmengewirr beinahe untergeht.

"Jane, du kommst doch bald, ja? Ich wollte nur sichergehen, dass du es nicht vergessen hast", ruft sie ins Telefon und ich halte das Handy einige Zentimeter von meinem Ohr weg.

Ich sehe zu Ty rüber, der mich interessiert ansieht.

"Hi Carla, ich habe es nicht vergessen, ich bin praktisch schon unterwegs", gebe ich etwas unwahr zurück.

"Ok, ich freu' mich, dann sehen wir uns gleich, ja?", ruft sie und nennt mir zur Sicherheit nochmal ihre Adresse.

"Ja, bis später!", rufe ich zurück und wundere mich etwas, warum sie den Fernseher nicht etwas leiser stellt wenn sie telefonieren möchte.

 

"Musst du los?", fragt Ty und ich glaube, einen leicht enttäuschten Ton wahrzunehmen, es kann aber auch sein, dass ich nur enttäuscht bin, unsere Verabredung jetzt schon ausklingen lassen zu müssen.

Mir kommt spontan eine Idee.

 

"Eigentlich schon. Eine Kollegin hat mich zu sich eingeladen...aber, also, möchtest du nicht mitkommen?

Sie hat ganz sicher nichts dagegen, nein, ich glaube, sie würde sich freuen."

 

Ty überlegt nicht lange.

"Gern, ja, aber nur wenn es wirklich in Ordnung geht"

"Das geht sehr in Ordnung", antworte ich und nenne ihm Carlas Adresse.

 

Es regnet noch immer stark und wir rumpeln mit dem Wagen über den Schotterplatz, auf dem sich bereits große Pfützen gebildet haben und fahren schliesslich zurück in Richtung Stadt.

 

Nach einigem Suchen finden wir Carlas Straße und nachdem wir zweimal um die Häuser gefahren sind, bietet sich auch endlich die Gelegenheit, Tys großen Wagen zu parken.

Der Regen hat nachgelassen aber es nieselt noch immer und wir bleiben für einen Moment sitzen.

 

"Schön dass du mitkommst", sage ich zu Ty, der mich einfach warm anlächelt.

"Danke für die Einladung", entgegnet er.

"Wollen wir?"

"Jep", lacht Ty und wir steigen gleichzeitig aus.

Er schliesst die Türen ab, nimmt mich an die Hand und wir gehen im Laufschritt über die Straße, als es plötzlich wieder heftig anfängt zu regen.

Ty zieht mich einige Stufen hoch in den nächstgelegenen Hauseingang, bevor wir total vom Regen durchnässt werden.

 

Er steht ganz nah vor mir, lehnt mit einem Arm an der Wand und streicht mir kaum merklich einige Regentropfen von meiner Stirn.

 

Ich versuche tapfer, seinem Blick stand zu halten doch meine Aufmerksamkeit wird immer wieder auf seinen Mund gelenkt.

"Wie ist das passiert?", frage ich und ohne groß darüber nach zu denken, streiche ich ihm mit meinem Zeigefinger die Narbe entlang und über seine Lippen.

Ich merke, wie er leicht zusammenzuckt.

"Entschuldigung", presse ich mit belegter Stimme hervor und will  meine Hand senken, als er sie festhält.

"Schon gut", sagt Ty, drückt sanft meine Hand und führt sie wieder an seine Lippen.

 

 ~

    

 

Ich weiß nicht genau, was passiert aber es passiert alles auf einmal.

Das gesamte Blut in meinem Körper ist plötzlich auf dem Weg in Richtung Füße, mein Herz hat aufgehört zu schlagen und mein Verstand ist irgendwo, aber ganz sicher ist er nicht mehr hier.

Ich überlege kurz ob mir Ty nicht vielleicht doch in krimineller Absicht einen Stromschlag mit einem Elektroschocker verpasst hat aber er steht genau so da wie eben und ich befummle nur seine Lippen und starre ihn mit offenem Mund an.

Ich will ihn küssen. Jetzt sofort. Aber da mein Verstand noch immer fort ist, würde das am Ende sicher eher einer Wiederbelebungsmaßnahme gleichen, einem Überfall, einem...ein lautes Glockengeläut reißt uns aus unseren Gedanken, aus dieser Situation und wir schauen uns verwundert um bis mir einfällt, dass es mein Handy ist das da läutet.

Jemand hat mir eine Nachricht gesendet und ich ärgere ich ein bisschen, dass ich es nicht wie sonst auf lautlos gestellt habe.

 

'Oh, sorry, mein Handy', sage ich zu Ty, er geht einen Schritt zurück und vergräbt seine Hände in seinen Jeanstaschen und ich fördere das Handy zu Tage.

Es ist Carla, Eins-a-Timing, denke ich, sie schreibt, sie will sichergehen, dass wir auch gleich da sind und hat noch mal ihre Adresse mitgeschickt.

 

Etwas verunsichert und amüsiert zugleich schauen Ty und ich uns an und beschließen dann, endlich Carla zu besuchen.

 

Nach einigen Minuten finden wir schließlich das richtige Haus.

Es ist ein hübscher Altbau in einer ganzen Reihe von Altbauten, die Haustür ist nur angelehnt und wir betreten das Treppenhaus, in dem es muffig riecht und ziemlich kühl ist.

Wir steigen die hölzernen Treppen hinauf, die sich in einem engen Bogen die Stockwerke hinaufschlängeln und mit jedem Meter wird Musik lauter, die aus einer Wohnung im oberen Stock dringt.

Als wir schließlich im vierten Stockwerk vor einer rot getünchten Tür stehen, hört man Musik und Stimmengewirr sehr deutlich, es klingt nach Party und überrascht läute ich an der Tür.

 

~

 

Nach wenigen Sekunden öffnet ein mir unbekannter Typ die Tür und bittet uns ohne Umschweife und mit überschwänglicher Gestik hinein.

Die Wohnung ist geräumig und schreit förmlich 'hier wohnt Carla!', alles ist bunt gestrichen und fröhlich eingerichtet und man hat keine andere Wahl als gute Laune zu bekommen.

Ich teile Ty mit, dass ich Carla suchen will, er will eine Toilette aufsuchen, wir wünschen uns Glück und Ty geht den langen Flur nach rechts hinunter, an deren Ende ich unter anderem das Wohnzimmer vermute. Ich wende mich nach links und finde mich schließlich in einer großen Wohnküche wieder, die sowohl vom langen Flur als auch zum Nebenzimmer durch einen offenen Türbogen zu erreichen ist.

 

Auch hier stehen viele Leute herum, die sich unterhalten, von Carla allerdings keine Spur.

Ich bemerke einen großen Holztisch, der zu einer Bar umfunktioniert wurde und ich beschließe, erstmal was zu trinken.

Hinter der provisorischen Bar steht ein Typ, der wie ein sehr junger Fidel Castro aussieht.

Er hantiert mit einem Shaker herum und ist offensichtlich für die Getränkezubereitung zuständig.

Er kippt die grüne Flüssigkeit aus dem Shaker in ein Glas, verziert es mit einem kleinen Papierschirmchen und dem Stück einer Sternenfrucht und überreicht das Glas einer jungen Frau mit einem wahnsinns Lockenkopf und riesengroßen Creolen, die sich durch die Menschen hindurch schlängelt und im Nebenzimmer verschwindet.

Fidel schaut mich an und scheint mich nicht recht einordnen zu können.

'´Wer bist du?', fragt Fidel und schiebt sich ein Stückchen Melone in den Mund.

'Jane!', rufe ich gegen die laute Musik an und er scheint plötzlich erfreut.

'Jane! Suchst du deinen Tarzan?', fragt er und lacht hemmungslos über seinen gelungenen Spruch.

Meine innere Stimme ist plötzlich da, so plötzlich, dass ich mich richtig erschrecke.

Oh wow.. sagt sie in einem spöttischen Tonfall.

Fidel hat n' Witz gemacht.

'Ja..', sage ich an Fidel gerichtet, 'der war ja..gut, den habe ich ja echt noch nie gehört'.

Fidel scheint mich ernst zu nehmen und zwinkert mir verschwörerisch zu.

`'Willst du was trinken?', fragt er, greift aber schon zu einer Flasche, bevor ich überhaupt antworten kann.

'Warte, sag nichts', sagt Fidel, ich ahne bereits, was jetzt kommt.

'Sex on the Beach! Ja?', schlägt er vor, er zielt mit zwei Fingern, schnalzt ziemlich laut und schießt mit einer imaginären Pistole auf mich.

Ich will nach Hause.

 

~

 

Fidel mixt meinen Cocktail und ich schaue mich um.

Plötzlich erspähe ich Lydia, mit wilder roter Mähne und perfektem 80er Outfit.

Sie unterhält sich sehr angetan mit einem Mann, der mich stark an Bob Marley erinnert. Ich frage mich, wessen Doppelgänger mir hier noch über den Weg läuft.

Lydia bemerkt, dass sie jemand beobachtet, schaut sich um und als sie mich sieht, winkt sie mir wild zu und deutet begeistert auf Bob, sie zieht ein schmachtendes Gesicht und ich muss grinsen.

Bob dreht sich zu mir und seine Rastalocken schwingen mit, er lacht ebenfalls und winkt mir zu.

'Hier, dein Drink', sagt Fidel und überreicht mir mein Getränk.

'Aber vorsicht, es ist süß und feucht, trink nicht zu schnell.. oder magst du's schnell?', sagt Fidel und hebt schon wieder seine Hand um auf mich zu zielen.

Oh mein Gott. Ich will hier weg, auch wenn mich seine Attitüde eher zu der spontanen Idee verleiten lässt, ihn mit Ty bekannt zu machen. Ich sehe die zwei bereits feierlich zum Altar schreiten. Ich verwerfe den Gedanken, da ich nicht denke, dass Ty Interesse an Fidel hätte, drehe mich einfach um und stoße plötzlich mit Carla zusammen.

 

~

 

'Jane!', ruft Carla erfreut, 'Da bist du ja, wir hatten schon Angst, dass du doch nicht kommst'.

'Wir?', wiederhole ich fragend, meine Irritation wächst und wächst.

'Komm', ich erkläre es dir', sagt Carla und zieht mich am Arm hinter sich her, den Flur entlang und in ein geräumiges Zimmer.

Es hat einen schönen abgenutzten Holzfußboden in Fischgrätoptik und in dunklem Gelb gestrichene Wände. Ein großes Himmelbett steht links an der Wand, eine weiße Holzkommode mit schnörkeligen Verzierungen steht dem gegenüber und ein auf antik gemachter Nachttisch mit bunten Ornamenten neben dem Bett.

Carlas beachtliche Klamottenkollektion hängt auf einer langen Kleiderstange mit Rollen, wie man sie in Läden findet.

Carla weist mich an, in einem ausladenden Korbsessel Platz zu nehmen.

 

'Also, es tut mir leid, ich wollte dich wirklich zum Essen einladen, das holen wir schnell nach, ja? Aber Robert kam letzte Woche und wollte wissen, wie du drauf bist weil er dich etwas bedrückt findet. Und da hatte er die Idee, ich könnte doch eine Party schmeißen, also ich wohne hier mit meinem Bruder und unserem Cousin und mein Bruder hat Leute aus der Uni eingeladen und mein Cousin Freunde und welche von der Arbeit und ich gute Freunde, aus dem Tanzkurs und...', Carla schaut mich an als hätte sie mich noch nie zuvor gesehen.

Ich kann ihr nicht folgen, schaue wohl ziemlich dumm aus Wäsche, sie schmeißt eine Party, schön und gut. 

Ich verstehe nicht, was sie von mir will.

'Ich habe allen von dir erzählt, fanden sie süß, dass Robert daran gedacht hat und ich natürlich auch, freust du dich?', Carla strahlt mich herzlich an und ich bin noch  immer irritiert.

'Ja, das ist echt nett und so aber..Robert? Was hat er damit zu tun? Warum?', stammle ich nur und verstehe  einfach nur Bahnhof.

Ich glaube Carla denkt, ich will sie verschaukeln.

'Eine Geburtstagsparty...für dich, weil, du hast doch morgen Geburtstag? Wir feiern rein und Robert will versuchen auch noch zu kommen..du hast doch morgen Geburtstag?', fragt Carla noch mal und ich kann es nicht fassen.

Ich war so beschäftigt, dass ich komplett die Zeit vergessen habe. Das ich meinen eigenen Geburtstag vergessen habe! 

Wie lieb das alles aber warum denkt Robert, ich wäre irgendwie bedrückt? Und Carla..ich kann es nicht glauben, noch nie hat jemand extra eine Party für mich organisiert, Geburtstage waren nie eine große Sache in meiner Familie.

Ich bin total platt.

'Ja, Danke Carla, das ist echt das tollste, was je jemand für mich gemacht hat, ehrlich'.

Carla strahlt über das ganze Gesicht.

Sie klatscht in die Hände und wendet sich zum Gehen.

'Schön, dann feiern wir jetzt, kommst du?', fragt sie aber ich bleibe noch sitzen.

'Ich komme gleich, gehe ruhig vor', sage ich und Carla verlässt ihr Zimmer.

 

 

     

                                                       ---NEU--- NEU--- NEU--- NEU--- NEU---

 

 

 Ich bleibe leicht irritiert zurück.

Alles schön und gut, denke ich mir aber ich denke auch, was für einen Eindruck ich eigentlich mache.

Bei Robert, Carla..Eric und Ty?

Viele Menschen sind da nicht die mir wirklich nahe stehen, nicht mal die, die mir nahe stehen, stehen mir wirklich nahe.

Und wo zum Teufel ist eigentlich Ivo?

Ich muss reden, über so viele Dinge und niemand ist da, mit dem ich reden könnte.

Ich vergesse meinen eigenen Geburtstag, wahrscheinlich weil er mir auch nicht wichtig ist. 

All die Leute, die da lautstark feiern, kennen mich doch nicht und für sie ist das nur ein Grund, mal wieder Party zu machen.

Da ist Erik, der atemberaubende Erik, der mir irgendwas mitteilen will und ich bekomme Bauchweh weil ich nicht weiß, was.

Da ist Ty, der irgendwie magisch ist und ich habe keine ruhige Minute um darüber nachzudenken, was ich eigentlich tue.

Die Musik wummert durch die dicken Altbauwände und ich erhebe mich schwerfällig aus dem riesigen Korbstuhl.

Ich brauche frische Luft. Ich gehe zum Fenster und entdecke hinter dem Vorhang eine Balkontür.

Erleichtert trete ich auf den kleinen Balkon in die leicht kühle Abendluft.

Es riecht nach Regen aber tröpfelt nur noch leicht vor sich hin. Von irgendwo her vernehme ich gedämpft Straßenlärm.

'Hier bist du', vernehme ich plötzlich eine Stimme hinter mir und drehe mich erschrocken um.

'Hey, ja ich brauchte mal einen Moment', sage ich zu Ty.

'Alles in Ordnung?', fragt er und tritt hinter mir auf den schmalen Balkon.

Nein. Nein, eigentlich ist nichts in Ordnung, denke ich.

Jetzt reiß' dich mal zusammen. Du hast schon Erik mit deinem Mist bei eurer ersten richtigen Unterhaltung bombardiert. Jetzt hältst du den Mund. Nicht, dass du Ty auch noch verschreckst.

Meine innere Stimme hat immer ein ganz perfektes Timing.

Sie ist so laut, dass ich im ersten Moment Ty anstarre und eine Reaktion von ihm erwarte. Aber natürlich hat er sie nicht gehört. Er steht da und schaut ich an. Mein Gott, dieser Typ.

Was ist das mit ihm? Ich kann nicht aufhören, ihn anzustarren. Ich kann nicht aufhören, seine Lippen anzustarren.

Sie sehen perfekt aus, sogar die längliche Narbe, seine Lippen sehen aus, als würden sie genau auf meine passen. Und sie sehen aus, als wären sie warm und weich und fest und..Jane!

Ich blinzle kurz.

Ty grinst mich an. Als würde er ganz genau wissen, was ich gerade denke.

Oh, Jane. Was machst du? Willst du dich wieder davonstehlen? Wie bei Erik? Jetzt steht Ty hier, er ist hier, Jane. Was machst du jetzt?

Meine innere Stimme ist so nervig. Aber sie hat recht. Ich will mich davonstehlen, weil ich nicht weiß, was ich tun soll.

Ich seufze langgezogen. 'Alles gut', sage ich und will an Ty vorbei aber er versperrt mir mit seinem Arm den Weg.

Automatisch schaue ich ihn an. Er steht so nah vor mir, strahlt so eine Wärme aus. Eine angenehme Wärme, eine einladende Wärme.

Und für einen kurzen Augenblick bleibt die Zeit stehen.

Ich höre nichts mehr und ich denke auch nichts mehr.

Ich sehe meine Hand durch Tys Haare gleiten und seine dunklen, braunen Augen und im nächsten Moment streifen meine Lippen seine. Und sie sind warm und sie sind weich und sie passen perfekt auf meine.

 

~

 

 

 

 

Fortsetzung folgt..

 

 

       So, nun könnt ihr auch gern hier eure Gedanken niederschreiben..

 

Kommentare: 7
  • #7

    Silver (Mittwoch, 29 Juni 2016 20:18)

    @Abyssus
    Haha, Danke!
    Ok, Prinz Erik und Arielle, war mir nicht bewusst.
    Es gibt noch den Phantom der Oper-Erik, den Magneto-Erik und den Erik der Wikinger-Erik^^
    Und sicher noch einige andere.
    :P
    Silver

  • #6

    Abyssus (Mittwoch, 29 Juni 2016 12:47)

    Ihihihi, ich las nun endlich alles und muss mich daran erfreuen ^.^ ich hoffe, du schreibst bald weiter....

  • #5

    Abyssus (Mittwoch, 29 Juni 2016 12:15)

    Prinz Erik - Arielle ^.^ mmh

  • #4

    Flu (Montag, 21 Dezember 2015 20:22)

    Die Story ist einfach gut und auch witzig und ich bin gespannt, wie es weitergeht...mir kommt da gerade ein Gedanke, wegen einer Art Zusammenarbeit.
    Ich schreib dir mal.
    Flu<3

  • #3

    Silver (Freitag, 23 Oktober 2015 23:22)

    Danke Lena^^
    Ich bin auch gespannt, wie es weiter geht:)
    Silver

  • #2

    Lena (Freitag, 23 Oktober 2015 17:43)

    Der neue Teil ist gut geworden. Freu mich auf die Fortsetzung und bin gespannt, wie's weiter geht^^

  • #1

    Lena (Dienstag, 20 Oktober 2015 19:35)

    Hallo Silver,
    deine Geschichte gefällt mir sehr gut. Wann schreibst du weiter? Ich würde mich freuen, wenn du mir einen Newsletter schickst.
    Viele liebe Grüße,
    Lena